Schuldenbremse-Reform: Warum Ökonomen vor 100 **Prozent** Staatsverschuldung warnen
Elias WernerIMK warnt vor einer Verschuldungsquote von 100 Prozent aufgrund von Ausnahmen von der Schuldenbremse - Schuldenbremse-Reform: Warum Ökonomen vor 100 **Prozent** Staatsverschuldung warnen
Die geplante Reform der Schuldenbremse in Deutschland steht vor scharfer Kritik von Wirtschaftsforschern. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnt, dass die vorgesehenen Ausnahmen für Verteidigungsausgaben die Staatsverschuldung bis 2050 auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) treiben könnten. Unterdessen treibt die bürgerlich-konservative Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz die Änderungen der verfassungsrechtlichen Kreditregeln voran.
Eine Expertenkommission hatte Anfang September ihre Arbeit aufgenommen, um Reformvorschläge für die Schuldenbremse auszuarbeiten. Die Regierung strebt an, bis zum Frühjahr 2025 eine Verfassungsänderung abzuschließen, die neue Kreditaufnahmen speziell für gestiegene Verteidigungsausgaben ermöglichen soll.
Die IMK-Studie hebt einen zentralen Unterschied zwischen den beiden geplanten Ausnahmeregelungen hervor: Eine betrifft Verteidigung und Sicherheit, die andere einen Sonderfonds für Infrastruktur- und Klimaneutralitätsinvestitionen. Laut IMK würde Letzterer die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP nur moderat und vorübergehend erhöhen. Werden die Mittel vollständig in zusätzliche Investitionen fließen, könnte das BIP-Wachstum bis Mitte der 2040er-Jahre um 1,4 Prozent steigen. Die Studie argumentiert jedoch, dass Militärausgaben kaum zum langfristigen Wachstum beitragen. Ökonomisch gelten sie als öffentlicher Konsum und nicht als produktive Investition.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, kritisierte die Reform als zu restriktiv für Investitionen, während sie gleichzeitig unbegrenzte Kreditaufnahmen für Verteidigung erlaube. Um eine übermäßige Verschuldung zu vermeiden, empfiehlt das IMK eine gezielte Steuerfinanzierung statt dauerhafter Kreditausnahmen. Zu den Vorschlägen gehört eine einmalige Vermögensabgabe auf sehr große Vermögen. Zudem schlägt das Institut vor, großzügige Kredite für Investitionen zuzulassen, die Ausnahmeregelung für Verteidigungsausgaben jedoch nur vorübergehend zu gestatten.
Die aktuelle Ausrichtung der Reform birgt das Risiko, die Schuldenlast Deutschlands langfristig deutlich zu erhöhen. Ohne Anpassungen könnte die Schuldenquote bis 2050 laut IMK-Prognosen auf 100 Prozent des BIP steigen. Die endgültigen Regierungsentscheidungen zu Finanzierung und Ausnahmen werden die langfristigen wirtschaftlichen Folgen bestimmen.
