Insolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen mit 'Papierkram'

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Ein Blatt Papier mit einer Schrift darauf.

Insolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen mit 'Papierkram' - Insolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen mit 'Papierkram'

Die Meyer Werft, einer der größten deutschen Schiffbauer, steckt nach Jahren der Ineffizienz und verlustreicher Aufträge in schweren finanziellen Turbulenzen. Nur dank staatlicher Intervention konnte das Unternehmen knapp die Insolvenz abwenden – unter anderem durch einen im späten Jahr 2021 geschlossenen 10-Milliarden-Euro-Deal mit der Reederei MSC Cruises. Nun laufen Umstrukturierungsmaßnahmen, um die Betriebsabläufe zu modernisieren und künftige Krisen zu verhindern.

Die finanziellen Probleme des Unternehmens erreichten ihren Höhepunkt, als veraltete Systeme und ein chaotischer Umgang mit Dokumentationen ans Licht kamen. Noch bis vor kurzem trugen Mitarbeiter Beschwerden über Lieferantenprobleme während der Schiffsübergaben handschriftlich auf gelben Zetteln ein. Die mit der Sanierung beauftragten Experten deckten zudem auf, dass die Meyer Werft sich kostspielige Projekte aufgeladen hatte – darunter den manuellen Bau von Offshore-Plattformen in Zelten sowie von Marine-Tankern in Rostock für die NVL Group.

Mitte Dezember 2021 vergab MSC Cruises einen Auftrag an die Meyer Werft im Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro. Die Vereinbarung sieht den Bau von vier Kreuzfahrtschiffen bis 2033 vor, mit Optionen für zwei weitere bis 2035. Trotz dieses Rettungsankers hatte das Unternehmen jedoch weiterhin Schwierigkeiten, Fristen einzuhalten – mit der Folge, dass Mitarbeiter während der Probefahrten an Bord bleiben mussten, um ausstehende Arbeiten zu erledigen. Um die Betriebsstabilität zu sichern, übernahmen der Bund und das Land Niedersachsen jeweils 40 Prozent der Anteile an der Meyer Werft. Sie spritzten 400 Millionen Euro ein und garantierten eine Kreditlinie von bis zu 2,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen plant nun, seine Prozesse bis Mitte 2027 vollständig zu digitalisieren und SAP-Systeme in allen Betriebsbereichen einzuführen.

Das Überleben der Meyer Werft hängt davon ab, ob es gelingt, veraltete Praktiken grundlegend zu reformieren und den riesigen MSC-Cruises-Auftrag erfolgreich umzusetzen. Die staatliche Finanzspritze verschafft zwar vorläufig Luft, doch langfristige Stabilität erfordert eine gelungene digitale Transformation. Gelingt dieser Wandel, könnte er die Zukunft des Schiffbauers in einer hart umkämpften Branche sichern.