Braunschweig feiert 75 Jahre Zentralrat der Juden mit einzigartiger Kulturausstellung

Hannah Böhm
Hannah Böhm
2 Min.
Nahaufnahme einer Metalltafel an einer Wand, die mit Text und einem Logo graviert ist, die das 10-jährige Jubiläum der Holocaust-Gedenkstätte feiert.Hannah Böhm

Jüdisches Leben in all seiner Vielfalt - 75 Jahre Zentralrat - Braunschweig feiert 75 Jahre Zentralrat der Juden mit einzigartiger Kulturausstellung

Eine neue Ausstellung in Braunschweig würdigt den 75. Jahrestag des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Schau ist bundesweit einzigartig und feiert die langjährige Rolle des Rates als Stimme des jüdischen Lebens seit seiner Gründung in Frankfurt im Jahr 1950. Statt sich ausschließlich auf den Holocaust oder modernen Antisemitismus zu konzentrieren, rückt die Ausstellung die Vielfalt und Lebendigkeit jüdischer Kultur im heutigen Deutschland in den Mittelpunkt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Seit mehr als sieben Jahrzehnten vertritt er als zentrale politische, soziale und religiöse Instanz die jüdischen Gemeinden im Land. Seine Arbeit prägte Debatten über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, den Kampf gegen Antisemitismus und die Förderung von Bildung – etwa durch Online-Kurse für Schulen über jüdische Vielfalt oder Kooperationen mit Einrichtungen wie dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk.

Die Braunschweiger Ausstellung vermeidet es, jüdische Identität allein über Leid zu definieren. Stattdessen zeigt sie die Lebendigkeit jüdischen Lebens – etwa durch persönliche Exponate wie eine Besamim-Dose, die der heutige Ratspräsident Josef Schuster zur Verfügung stellte. Die Schau würdigt zudem prägende Persönlichkeiten, darunter Bea Wyler, Deutschlands erste amtierende Rabbinerin, und beleuchtet die eigenen historischen Bezüge Braunschweigs zur jüdischen Geschichte.

Zu den Ausstellungsstücken gehört eine Replik eines Stolpersteins, der an Philipp Auerbach erinnert – einen Überlebenden von Auschwitz und frühen Mitglied der provisorischen Führung des Zentralrats. Gezeigt werden auch Fotos der israelischen Athlet:innen, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München ermordet wurden, sowie Hinweise auf aktuelle antisemitische Kontroversen, etwa bei der documenta fifteen in Kassel. Die Ausstellung ehrt zudem frühere Präsidenten und Führungspersönlichkeiten, die den Rat über die Jahre geprägt haben.

Als einzige Veranstaltung in Deutschland zum 75-jährigen Bestehen des Zentralrats bietet die Braunschweiger Schau einen umfassenden Blick auf jüdisches Leben – von historischen Kämpfen bis zu heutigen Errungenschaften. Durch die Verbindung persönlicher Schicksale, politischer Meilensteine und kultureller Leistungen unterstreicht sie den anhaltenden Einfluss des Rates auf die deutsche Gesellschaft.

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