Ohnmachtsgefühl am Arbeitsplatz begünstigt rechtsextreme Tendenzen – Studie zeigt alarmierenden Trend
Lotta BrandtOhnmachtsgefühl am Arbeitsplatz begünstigt rechtsextreme Tendenzen – Studie zeigt alarmierenden Trend
Eine neue Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen Ohnmachtsgefühlen am Arbeitsplatz und der Unterstützung rechtsextremer Politik hin. Die von der Otto-Brenner-Stiftung veröffentlichten Ergebnisse zeigen, wie der schwindende Einfluss von Beschäftigten in deutschen Unternehmen politischen Extremismus begünstigen könnte. Gleichzeitig werden die Forderungen nach mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz lauter – Aktivist:innen und Forscher:innen schlagen weitreichende Reformen vor.
Der Anteil deutscher Unternehmen mit Betriebsräten sinkt seit den 1990er-Jahren kontinuierlich. Zwar regeln die nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) gebildeten Gremien Themen wie Arbeitszeiten oder Sozialpläne, doch bei grundlegenden Entscheidungen zu Investitionen oder Gewinnbeteiligung haben sie kaum Mitspracherecht. Diese Bereiche fallen meist in den Zuständigkeitsbereich der Aufsichtsräte großer Konzerne – wobei rund 400 Unternehmen mit über 2.000 Beschäftigten selbst diese Regeln umgehen.
Die Forscherin Rupay Dahm argumentiert, dass echte betriebliche Demokratie tiefgreifendere Veränderungen erfordert als bloße Anpassungen im Führungsstil. Stattdessen müssten die Eigentumsstrukturen selbst neu gedacht werden. Diese Position deckt sich mit Vorschlägen wie dem von Annika Fuchs, die eine Vergesellschaftung des Volkswagen-Werks Osnabrück fordert – um Arbeiter:innen und der lokalen Gemeinschaft direkte Mitsprache bei Produktionsentscheidungen zu ermöglichen.
Die Debatte ist nicht neu. Schon der Gewerkschaftsführer Hans Böckler betonte in den 1950er-Jahren: "Demokratie darf nicht am Werkstor haltmachen." Organisationen wie Communia e.V. gehen noch weiter und verstehen Vergesellschaftung als Instrument für wirtschaftliche Gerechtigkeit. Ihr Ansatz zielt nicht nur auf bessere Arbeitsbedingungen ab, sondern darauf, dass Beschäftigte mitbestimmen, was überhaupt produziert wird.
Staatliche Programme wie "Lebendige Demokratie!" bekämpfen zwar mit Fördergeldern für Antihass-Kampagnen und Opferhilfe rechtsextreme Tendenzen. Kritiker:innen monieren jedoch, dass diese Initiativen den Arbeitsplatz außer Acht lassen – wo der Schwund demokratischer Mitwirkung genau jenes Unbehagen schüre, das sie eigentlich eindämmen sollen.
Die Studie verknüpft politische Radikalisierung mit dem Gefühl der Machtlosigkeit im Berufsalltag, während Reformbefürworter:innen strukturelle Veränderungen fordern. Ohne mehr Einfluss der Beschäftigten auf zentrale Entscheidungen dürften die Rufe nach wirtschaftlicher Demokratie weiter an Fahrt gewinnen. Noch aber klafft eine große Lücke zwischen den bestehenden Betriebsratsstrukturen und den Forderungen nach einer grundlegenden Reform der Eigentumsverhältnisse.






