Neuer Roman bringt armenischen Völkermord in deutsche Klassenzimmer
Ein neuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern in deutsche Klassenzimmer. Im März bei Reclam Verlag erschienen, wurde Laura Cwiertnias Auf der Straße tragen wir andere Namen als Pflichtlektüre für Schulen ausgewählt. Das Buch erscheint 111 Jahre nach dem Völkermord, bei dem unter dem Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet wurden.
Der Roman verbindet die Schicksale von Frauen über mehrere Generationen hinweg und erkundet Themen wie Überleben, Gewalt und das Erbe des Genozids von 1915. Er thematisiert auch türkische Gastarbeiter in Deutschland und verknüpft so historisches Trauma mit modernen Migrationserfahrungen. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers steuerte ein Begleitkommentar bei, um Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Text zu erleichtern.
Trotz eines Bundestagsbeschlusses von 2016, der die Behandlung des Völkermords im Unterricht fordert, wird das Thema in vielen Schulen noch immer ausgeklammert. Lehrkräfte nennen überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende Materialien als Hürden. Die eigene Rolle Deutschlands – etwa durch wirtschaftliche Verstrickungen oder den Einsatz armenischer Zwangsarbeiter – bleibt im Unterricht weitgehend unerwähnt.
Pädagogen argumentieren, dass Literatur diese Lücke schließen kann. Durch Cwiertnias Roman könnten Schülerinnen und Schüler eine emotionale und reflektierte Verbindung zu einer Geschichte aufbauen, die Millionen Leben prägte – darunter auch solche in der heutigen deutschen Gesellschaft.
Die Aufnahme von Auf der Straße tragen wir andere Namen bietet einen neuen Ansatz, um ein lange vernachlässigtes Thema zu unterrichten. Schulen haben nun ein Werkzeug, um den Völkermord an den Armeniern über Erzählungen und Diskussionen zu thematisieren. Ob dies zu umfassenderen Änderungen im Lehrplan führen wird, bleibt abzuwarten.






