"Merz kann mich am Arsch lecken!" – Warum ein Transparent an der TU Berlin für Aufruhr sorgt
Lotta Brandt"Merz kann mich am Arsch lecken!" – Warum ein Transparent an der TU Berlin für Aufruhr sorgt
Ein Transparent mit der Aufschrift "Merz kann mich am Arsch lecken!" wurde an der Technischen Universität Berlin nach nur 15 Stunden wieder entfernt. Die Polizei nahm es nach einer Beschwerde ab, was eine Debatte über Meinungsfreiheit und Studentenrechte auslöste. Der ursprünglich gegen den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz gerichtete Spruch ist mittlerweile zu einem breiten Protestsymbol geworden.
Der Ausdruck tauchte erstmals im März 2024 bei einer Demonstration gegen Wehrpflicht in Berlin auf. Er verbreitete sich rasant im Netz, erschien in Memes, Graffiti und Liedern und diente als Kritik an Merz' rechtspopulistischer Politik. Bis Mitte 2024 hatte er Einzug in die politische Satire gehalten und wurde während Bauern- und Klimaprotesten in Berlin und Hamburg massenhaft auf TikTok und X geteilt.
Das Transparent an der TU Berlin wurde von der Studierendengruppe EB 104 aufgehängt, die sich für ökologische, wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Die Gruppe verurteilte die Entfernung als "höchst problematisch" und argumentierte, dies untergrabe die studentische Selbstverwaltung und die Meinungsfreiheit auf dem Campus. Unterdessen ermitteln die Behörden gegen den 18-Jährigen, der den Spruch geprägt haben soll – wegen des Verdachts auf üble Nachrede und Beleidigung.
Nach deutschem Recht handelt es sich bei Beleidigung um die Verbreitung unwahrer Behauptungen, die den Ruf einer Person schädigen. Der Fall hat die Diskussion verschärft, wo Meinungsfreiheit endet und rechtliche Konsequenzen beginnen. Unterstützer des Slogans sehen in den Ermittlungen einen Versuch, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen, während Kritiker ihn als unzulässigen persönlichen Angriff werten.
Bis 2026 hatte sich der Spruch zu einer Nischen-Parole gegen das Establishment entwickelt, die in Kabarettprogrammen und bei Studentenprotesten in Städten wie Leipzig und München aufgegriffen wurde. Seine Hartnäckigkeit spiegelt die größeren Spannungen zwischen politischem Aktivismus und rechtlichen Grenzen wider.
Die Ermittlungen laufen weiter, dem 18-Jährigen drohen mögliche Anklagen. Der Vorfall hat die Rolle des Spruchs als Sammelruf gegen Merz' Politik gestärkt, wirft aber auch Fragen nach den Grenzen des Protests auf. Studierendengruppen und Meinungsfreiheitsaktivisten verfolgen den Fall nun genau, um zu sehen, wie er sich entwickelt.






