Joey Skaggs' satirischer Aprilscherz-Umzug stellt New York auf den Kopf
Hannah BöhmJoey Skaggs' satirischer Aprilscherz-Umzug stellt New York auf den Kopf
Seit 1986 veranstaltet der Künstler Joey Skaggs jedes Jahr am 1. April einen satirischen Umzug entlang der Fifth Avenue in New York. Die Veranstaltung, geprägt von absurden Wagen und politischer Satire, lädt das Publikum ein, über Autoritäten zu lachen und gleichzeitig zu hinterfragen, was wirklich real ist. Skaggs begann seine Karriere als klassischer Künstler, wandte sich später jedoch aus Frust über die Heuchelei der Kunstwelt provokativen Streichen zu.
Der diesjährige Umzug verspricht eine weitere Ebene der Täuschung. Die Teilnehmer sollen sich fragen: "Was ist echt, und was nicht?" Angeführt wird der Zug von einer Figur, die behauptet, der Präsident zu sein. Zudem gibt es eine Vorführung eines "Melania-Mockumentary" sowie eine Lesung der geschwärzten Namen aus den Jeffrey-Epstein-Akten – ohne die Opfer zu nennen.
Skaggs' Tradition der Aprilscherz-Aktionen reicht bis ins Jahr 1981 zurück. Seine frühen Umzüge umfassten 2005 eine "Bush-Wiederwahl-Parade" mit parodistischen Militäraufmärschen und in späteren Jahren gefälschte Prominentenbeerdigungen als Spott auf die Unternehmenskultur. Jede Veranstaltung wird akribisch geplant – unter Verwendung von Zeitungsausschnitten, die im Laufe des Jahres gesammelt werden, und verwandelt so Medienberichte selbst in Teil des Kunstwerks.
Der Umzug hat die Aufmerksamkeit großer Medien wie CNN und der BBC auf sich gezogen, auch wenn die tatsächliche Veranstaltung oft kleiner ausfällt als der Hype vermuten lässt. Frühere Themen reichten von einem Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb bis zu einer Y2K-Weltuntergangsparty. Skaggs dokumentiert alles auf seiner Website joeyskaggs.com sowie durch Archivmaterial.
Sein Ansatz erinnert an andere berühmte Aprilscherze. 1985 täuschte Sports Illustrated seine Leser mit einer Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, einen fiktiven Pitcher der Mets, der angeblich 270 km/h werfen konnte – ohne jede Baseball-Erfahrung. Der von George Plimpton verfasste Artikel beschrieb Finch als mönchsgleiches Genie, das kurz in Harvard studiert hatte, bevor es abbrach. Ein weiterer bemerkenswerter Streich ereignete sich 1998, als David Bowie eine Party für den erfundenen britischen Schriftsteller William Boyd schmiss, der das Ereignis später in einem Essay aus dem Jahr 2011 schilderte.
Skaggs' Umzug stellt weiterhin die Wahrnehmung von Wahrheit und Medienmanipulation infrage. Indem er Satire mit aktuellen Ereignissen verbindet, zwingt die Veranstaltung die Teilnehmer, die Grenze zwischen Fakt und Fiktion zu hinterfragen. Die Tradition bleibt ein fester Bestandteil der New Yorker Kulturszene und beweist, dass selbst im Zeitalter der Desinformation noch Platz für bewusste, künstlerische Täuschung ist.






