17 March 2026, 08:13

Frust statt Fortschritt: Warum Langzeitarbeitslose Jobcenter-Beratungen als nutzlos empfinden

Eine Liniendiagramm, das Trends bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen, Stellenangebote und Kündigungen zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Für fast jeden zweiten Menschen ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Frust statt Fortschritt: Warum Langzeitarbeitslose Jobcenter-Beratungen als nutzlos empfinden

Eine neue Umfrage offenbart tiefe Frustration unter Langzeitarbeitslosen in Deutschland. Fast die Hälfte gibt an, dass Termine im Jobcenter ihre Jobchancen nicht verbessern – trotz hoher Bewertungen für die Fachkompetenz der Mitarbeiter. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung das aktuelle Bürgergeld-System bis 2026 durch ein neues Programm ersetzen will.

Die von der Bertelsmann Stiftung zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Studie befragte über 1.000 arbeitslose Erwachsene im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld beziehen. Zwar äußerten 67 Prozent Zufriedenheit mit der Unterstützung durch die Jobcenter, doch 47 Prozent erklärten, die Beratungstermine brächten ihnen im Jobsuchprozess keinen echten Nutzen.

Die Kompetenz der Mitarbeiter wurde mit 73 Prozent als "sehr gut" oder "gut" bewertet. Dennoch sahen sich 46 Prozent der Befragten mit mehreren Hürden konfrontiert, darunter gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Die Stiftung forderte daher gezieltere Fördermaßnahmen wie Bewerbungstrainings und direkte Arbeitsvermittlung.

Historische Daten zeigen eine leichte Verbesserung der Vermittlungsquoten vor der Einführung des Bürgergelds im Februar 2023. Zwischen 2018 und 2022 fanden etwa 25 bis 30 Prozent der Langzeitarbeitslosen eine Anstellung – ein Anstieg gegenüber den 20 bis 25 Prozent unter dem vorherigen Hartz-IV-System. Dieser Fortschritt war unter anderem auf einen robusten Arbeitsmarkt und Reformen im Sozialwesen zurückzuführen.

Der Bundestag hat nun ein neues Grundsicherungssystem beschlossen, das ab dem 1. Juli 2026 das Bürgergeld ablösen soll. Die Bertelsmann Stiftung empfahl zudem strengere Auflagen für Empfänger ohne gravierende Vermittlungshemmnisse, um sie zu einer eigenständigeren Stellensuche zu motivieren.

Die Umfrage macht eine Kluft zwischen den Leistungen der Jobcenter und den tatsächlichen Erfolgen für Langzeitarbeitslose deutlich. Zwar wird die Arbeit der Mitarbeiter gelobt, doch viele Bezieher von Sozialleistungen tun sich nach wie vor schwer, eine Beschäftigung zu finden. Die anstehende Reform wird diese Herausforderungen ab Mitte 2026 angehen müssen.

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