Deutschlands Energiewende: Wie Ökostrom fossile Brennstoffe verdrängt und die Industrie unter Druck setzt

Deutschlands Energiewende: Wie Ökostrom fossile Brennstoffe verdrängt und die Industrie unter Druck setzt
In den vergangenen Jahren hat der deutsche Energiesektor tiefgreifende Veränderungen durchlaufen, bei denen erneuerbare Energien gegenüber fossilen Brennstoffen deutlich an Boden gewannen. Trotz Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit konnte Deutschland in den letzten beiden Wintern Stromausfälle vermeiden – selbst als Solar- und Onshore-Windenergie zu zentralen Säulen der Stromversorgung wurden. Gleichzeitig kämpfen traditionelle Energieversorger ums Überleben, während Industrieunternehmen mit steigenden Kosten und einer zögerlichen Anpassung an saubere Technologien konfrontiert sind.
Am 18. April 2012 erreichte Deutschland einen Meilenstein, als an einem Werktag 50 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt wurden. Dieser Erfolg fiel in eine Phase, in der die dezentrale Energieerzeugung – also kleinere, lokal verteilte Anlagen – zunehmend große Kraftwerke ersetzte. Bevorrechtigter Netzzugang und geringere Betriebskosten für Ökostrom drängten fossile Energieträger schrittweise aus dem Markt.
Der Wandel verlief jedoch nicht für alle reibungslos. Die "Großen Vier" der konventionellen Energiewirtschaft verzeichneten seit dem deutschen Atomausstieg nach Fukushima schwere Verluste. Die meisten von ihnen investierten kaum nennenswert in erneuerbare Energien – mit Ausnahme einiger Offshore-Windprojekte. Gleichzeitig steht die Zukunft der fossilen Brennstofflieferanten auf dem Spiel, da ihr Marktanteil schrumpft.
Die deutsche Industrie profitiert nach wie vor von wettbewerbsfähigen Strompreisen, die oft niedriger sind als in den Nachbarländern. Viele Großhersteller, Chemieunternehmen und Zulieferer der Automobilbranche kommen zudem in den Genuss von Befreiungen von der Ökostromumlage. Dennoch geraten Schlüsselsektoren – darunter Unternehmen wie Kelheim Fibres und Wacker – zunehmend unter Druck. Hohe Energiekosten, schwache Binnennachfrage und zögerliche Fortschritte bei der Umstellung auf erneuerbare Energien und Elektrifizierung machen sie verwundbar. Wer sich nicht anpasst, riskiert, gegenüber Konkurrenten zurückzufallen, die in CO₂-arme Technologien investieren.
2012 stellte Deutschland einen neuen Exportrekord auf und lieferte mehr Strom ins Ausland als je zuvor – und das, obwohl erneuerbare Energien ihren Anteil am Energiemix weiter ausbauten. Die steigenden Umlagen für Ökostrom wurden durch noch stärkere Preisanstiege bei importierten fossilen Brennstoffen ausgeglichen, was die Position traditioneller Energieträger zusätzlich schwächte.
Die deutsche Energiewende prägt weiterhin die Umgestaltung des Stromsektors, wobei erneuerbare Energien kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. Für die Industrie steht nun eine grundsätzliche Weichenstellung an: Entweder sie passt sich saubereren Technologien an oder riskiert, im Wettbewerb den Anschluss zu verlieren. Der Niedergang fossiler Energieträger scheint unvermeidlich, während die dezentrale Energieerzeugung wächst und traditionelle Anbieter den Anschluss verlieren.

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