Dekoloniale Lehrpläne: Britisches Forschungsprojekt polarisiert Schulen und Wissenschaft
Elias WernerDekoloniale Lehrpläne: Britisches Forschungsprojekt polarisiert Schulen und Wissenschaft
Ein neues zweijähriges Forschungsprojekt in Großbritannien soll untersuchen, wie der Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften und Geografie an weiterführenden Schulen aus einer dekolonialen Perspektive gestaltet werden kann. Die Initiative wird mit 247.268 Pfund vom Economic and Social Research Council (ESRC) gefördert und zielt darauf ab, ein Rahmenkonzept für Lehrkräfte zu entwickeln.
Das Vorhaben stößt jedoch auf Kritik: Gegner:innen bezeichnen es als 'realitätsfernes woke-Gedankengut' und befürchten negative Auswirkungen auf akademische Standards sowie die Vernachlässigung anderer Bildungsprobleme. Die Wissenschaftler:innen hinter dem Projekt planen, Lehrkräfte aus den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie dem Fach Geografie zu befragen. Auf dieser Grundlage sollen neue Leitlinien erarbeitet werden, die sich insbesondere mit Themen wie 'wissenschaftlichem und ökologischem Rassismus' im Unterricht auseinandersetzen.
Die Förderung in Höhe von 247.268 Pfund stammt vom ESRC, einer Unterorganisation von UK Research and Innovation (UKRI), die über ein Jahresbudget von 123 Millionen Pfund verfügt. Ein Sprecher von UKRI betonte, dass Förderentscheidungen ausschließlich auf der Grundlage des wissenschaftlichen Werts einer Studie getroffen würden.
Kritik am Projekt kommt unter anderem von Chris McGovern, der warnt, dass eine dekoloniale Filterung von Schulfächern das Lernen verfälschen und akademische Standards untergraben könnte. Ähnliche Bedenken äußerte Professor Peter Edwards: Er befürchtet, dass solche Initiativen Vorrang vor dringenderen Problemen wie der Bildungsbenachteiligung weißer Jungen aus der Arbeiterklasse erhalten könnten. Gegner:innen der Initiative sehen darin zudem eine Verschwendung knapper öffentlicher Mittel. Das Projekt wird in den kommenden zwei Jahren den Unterrichtsrahmen entwickeln und dabei sowohl Befürworter:innen als auch Skeptiker:innen polarisieren. Unabhängig von der Debatte um seine Ausrichtung wird es einen Beitrag zur Diskussion über die Gestaltung moderner Lehrpläne leisten.
Die Ergebnisse könnten langfristig Einfluss darauf haben, wie Themen wie Kolonialismus und Rassismus in britischen Schulen behandelt werden – und ob solche Ansätze künftig stärker in den Unterricht integriert werden.
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