17 March 2026, 12:15

BfV wird zum aktiven Nachrichtendienst mit erweiterten Befugnissen

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Was gibt es für die Verfassungsreform des Verfassungsschutzes vorzuschlagen? - BfV wird zum aktiven Nachrichtendienst mit erweiterten Befugnissen

Deutschland will die Befugnisse seines Inlandsgeheimdienstes, des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), deutlich ausweiten. Die von Innenminister Alexander Dobrindt vorangetriebene Reform ermöglicht der Behörde, aktiv Informationen zu sammeln und operativ zu handeln – sie wird damit faktisch zu einem "echten Nachrichtendienst". Die Änderungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über hybride Kriegsführung, insbesondere durch Russland, sowie jüngster Cyberangriffe auf deutsche Infrastruktur.

Die geplanten Reformen sind eine Reaktion auf eine Reihe von Sicherheitsherausforderungen, darunter ein Cyberangriff auf die Deutsche Flugsicherung (DFS), das deutsche System zur Flugverkehrskontrolle. Hybride Kriegsführung, so beschreiben es Beamte, kombiniert militärische, wirtschaftliche, nachrichtendienstliche und propagandistische Taktiken, um eine klare Zuordnung zu erschweren. Russlands Vorgehen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt hat diese Bedenken weiter verschärft.

Nach den neuen Regeln erhält das BfV erweiterte Kompetenzen, um Bedrohungen bereits im Vorfeld zu ermitteln und zu unterbinden. Zudem darf die Behörde künftig leichter mit der Polizei zusammenarbeiten, etwa bei Verdacht auf terroristische Anschläge oder schwere Straftaten. Bisher waren solche Kooperationen durch strengere Hürden eingeschränkt.

Die Reform zielt auf mehrere zentrale Bereiche ab: Sie soll die Überwachung der Finanzierung rechtsextremer Strukturen, die Anwerbung durch Islamisten sowie die Gewaltplanung der linken Extremistenszene verbessern. Zudem wird sie Schnittstellen zwischen Extremismus und organisierter Kriminalität angehen – etwa bei illegalen Waffenhandel oder staatlich gelenkten Cyberangriffen. Um Missbrauch zu verhindern, hat sich die Koalition darauf verständigt, personenbezogene Daten nach den gesetzlich vorgeschriebenen Fristen zu löschen, damit frühere Radikalisierung Betroffene nicht dauerhaft belastet.

Auch die Kontrolle wird verschärft: Bundestag und andere Gremien sollen das BfV künftig enger überwachen, um die erweiterten Befugnisse auszugleichen. Die Regierung hat zudem zugesagt, die Regelungen zum Datenaustausch zwischen Behörden zu aktualisieren, um die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen zu erleichtern.

Die Reformen markieren einen tiefgreifenden Wandel in den deutschen Nachrichtendienstkapazitäten. Das BfV wird künftig eigenständiger agieren und sich auf präventive Maßnahmen gegen aufkommende Gefahren konzentrieren. Gleichzeitig sollen strengere Kontrollmechanismen und Datenschutzbestimmungen sicherstellen, dass die wachsende Rolle der Behörde mit der nötigen Transparenz einhergeht.

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