12 April 2026, 02:17

Ausbeutung in der Landwirtschaft: Wie Saisonarbeiter um Lohn und Würde kämpfen

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Landwirtschaftliche Arbeit Stromversorgung" auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, mit einer Grafik eines Bauernhofs mit Traktor und Scheune im Hintergrund.

Ausbeutung in der Landwirtschaft: Wie Saisonarbeiter um Lohn und Würde kämpfen

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft leiden unter harten Bedingungen – mit Berichten über extreme Lohnabzüge, überfüllte Unterkünfte und schonungslose Arbeitszeiten. Trotz jüngster Lohnerhöhungen für einige landwirtschaftliche Beschäftigte bleiben ungelernte Arbeitskräfte von den neuen Tarifverträgen ausgeschlossen. Experten warnen, dass systematische Ausbeutung im Sektor weiter besteht, während lasche Kontrollen viele schutzlos zurücklassen.

Landarbeiter in Deutschland sind häufig erniedrigenden Lebensbedingungen ausgesetzt. In Hessen musste ein Arbeiter für über 2.000 Euro im Monat einen 15 Quadratmeter großen Frachtcontainer anmieten. Gleichzeitig sind überlange Arbeitszeiten an der Tagesordnung – manche leisten bis zu 70 Stunden pro Woche.

Lohnraub ist ein weiteres weit verbreitetes Problem. Illegale Abzüge können Arbeitern an einem einzigen Tag bis zu 1.000 Euro kosten. Steigende Akkordvorgaben verschärfen die Risiken zusätzlich: Spargelstecher müssen mittlerweile 14 Kilogramm pro Stunde ernten – zuvor waren es 11.

Die Durchsetzung von Arbeitsgesetzen ist zusammengebrochen. Betriebsprüfungen gingen von fast 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024 zurück. Die Entscheidung der Regierung, kurzfristige, sozialabgabenfreie Verträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr auszuweiten, hat die Arbeiter noch verwundbarer gemacht.

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Ein kürzlich geschlossener Tarifvertrag sieht für landwirtschaftliche Beschäftigte eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate vor. Ungelernte Saisonkräfte erhalten jedoch in den ersten vier Monaten keine Anpassung. Der Deutsche Bauernverband fordert sogar einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter – ein Vorstoß, der von AfD und CDU unterstützt wird.

Im Jahr 2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Zwar halten sich nicht alle Betriebe an die Regeln, doch dokumentierte Verstöße deuten auf ein tief verwurzeltes Problem hin. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) könnte Landwirte bei Arbeits- oder Sicherheitsverstößen durch Kürzungen von Subventionen bestrafen, doch die Umsetzung bleibt lückenhaft.

Die Lage der Saisonarbeiter in Deutschland zeigt kaum Anzeichen einer Besserung. Bei rückläufigen Kontrollen, anhaltendem Lohnraub und unkontrollierten Wohnverhältnissen bleibt die Ausbeutung fest verankert. Ohne strengere Durchsetzung werden selbst bestehende gesetzliche Schutzmaßnahmen denen im Feld kaum Linderung verschaffen.

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