Wie Seemannslieder Kiel und Hamburg bis heute verbinden
Der Klang der Seemannslieder hallt seit jeher durch Deutschlands Hafenstädte. In Kiel und Hamburg verwoben sich diese Melodien mit der lokalen Kultur und prägten über Generationen hinweg das Gemeinschaftsleben. Die Tradition entstand im 19. Jahrhundert aus der maritimen Welt und erlebte im 20. Jahrhundert eine Blütezeit – nicht zuletzt dank Ensembles wie dem Akkordeonorchester "Ostseekrabben", das diese Lieder zu Festivals und Konzerten trug.
Für einen Kieler war das Meer mehr als nur Kulisse – es war eine lebenslange Inspiration. Aufgewachsen in der Nähe der Howaldtswerke-Werft, beobachtete er täglich die einlaufenden Schiffe, deren Ankunft ihm stets eine Gänsehaut bereitete. Militär- und Segelschiffe aus fernen Ländern warfen Anker, und jedes Mal schlug sein Herz höher.
Auch die Musik des Meeres hinterließ ihre Spuren. Als Junge sang er Seemannslieder von Künstlern wie Freddy Quinn, Lale Andersen und Hans Albers, dessen tiefe Stimme die Sehnsucht der Seeleute einfing. Albers, ein Schwarm seiner Mutter, spielte in Große Freiheit Nr. 7 (1944) den Matrosen Hannes Kröger, der sich nach den weiten Wellen sehnt. Die Lieder des Films wurden zu Hymnen der maritimen Nostalgie.
Später trat der Autor einem Kirchenchor bei, wo ein Mitglied des Lotsen-Gesangvereins – eines 1929 gegründeten Lotsen-Chors – Geschichten über Kiels seemännische Traditionen erzählte. Solche Chöre und Gruppen wie die "Ostseekrabben" hielten die Lieder am Leben und traten bei Veranstaltungen wie Adventskonzerten auf. Ihre Musik bewahrte das Erbe und verband die Menschen.
Auch Hamburgs maritimes Erbe lebt weiter. Das letzte große Segelschiff der Flying P-Liner, die Padua, fährt heute noch als russisches Schulschiff Kruzenshtern. Ihr Fortbestand ist eine seltene Verbindung zu einer Zeit, in der stolze Rahsegler die Meere beherrschten.
Über die Volkstradition hinaus wurde das Meer auch zur Muse der Popmusik. Seine Weite und sein Geheimnis prägten Texte und Melodien weit über die Hafenbecken hinaus.
Von Akkordeonorchestern bis zu Kirchenchören – die Lieder der Seeleute haben Deutschlands Küstenstädte geprägt. Die Traditionen Kiels und Hamburgs leben weiter in Musik, Film und den wenigen verbliebenen Schiffen wie der Kruzenshtern. Für diejenigen, die am Wasser aufgewachsen sind, bleibt der Ruf des Meeres – und seiner Lieder – so stark wie eh und je.






