Wie Neslihan Arol die männliche Erzähltradition *Meddah* feministisch neu erfindet
Wie Neslihan Arol die männliche Erzähltradition *Meddah* feministisch neu erfindet
Dieses Lachen ist ansteckend
Teaser:Meddah, die osmanische Erzähltradition, war einst Männern vorbehalten. Neslihan Arol hat sie sich zu eigen gemacht – und zeigt, wie befreiend Komik sein kann.
Neslihan Arol gibt einer alten Tradition neues Leben. Die Künstlerin hat Meddah, die osmanische Erzählkunst, aufgenommen und mit feministischem Spirit neu interpretiert. Ihr Debüt als Meddah im Oktober vergangenen Jahres in Berlin markierte den Beginn einer mutigen, unkonventionellen Reise.
Mittlerweile tritt Arol regelmäßig im Bavul Café in Kreuzberg auf. Dort verbindet sie Humor, übertriebene Gesten und mehrsprachiges Spiel, um Normen infrage zu stellen und Frauen zu bestärken.
Arols Weg zur Erzählkunst war nicht geradlinig. Zunächst studierte sie Chemieingenieurwesen, verfolgte aber heimlich ihre Leidenschaft für die Schauspielerei – sogar mit selbst finanziertem Masterstudium. Doch das klassische Theater enttäuschte sie: Es gab kaum Rollen, in denen Frauen wirklich komisch sein durften. Diese Frustration führte sie zum Clownspiel – und schließlich zu Meddah.
Die Meddah-Tradition war einst eine Männerdomäne. Arol änderte das. Am 12. Oktober 2023 feierte sie ihr Berliner Debüt im Ballhaus Ost in Prenzlauer Berg. Ihre Performance brach mit Konventionen, entlarvte Machtstrukturen und feierte das Recht der Frauen, laut, unperfekt und ohne Entschuldigung sie selbst zu sein.
Auf der Bühne verkörpert Arol gleichzeitig mehrere Figuren. Ihre Auftritte sind geprägt von wilden Gesten, Sprachwechseln und einer Teelichtkerze – Symbol für Wärme, Menschlichkeit und Verbindung. Für sie ist Meddah mehr als nur Erzählkunst; es geht um Aufklärung, Gemeinschaft und die Begegnung mit dem Publikum auf Augenhöhe.
Ihr feministischen Ansatz macht Meddah zu einem Werkzeug der Befreiung. Indem sie diese männlich geprägte Form zurückerobert, schafft sie Raum für Frauen, mutig, grotesk und frei zu sein.
Arols Auftritte im Bavul Café ziehen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Mischung aus Tradition und Rebellion verleiht Berlins Kulturszene eine frische Stimme. Mit jeder Vorstellung beweist sie: Erzählkunst kann uralt und zugleich radikal neu sein.
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