Wie Katzen Kultur, Macht und Klischees seit Jahrtausenden prägen

Hannah Böhm
Hannah Böhm
2 Min.
Ein Plakat mit Text und Bildern von Katzen.Hannah Böhm

Wie Katzen Kultur, Macht und Klischees seit Jahrtausenden prägen

Eine neue Ausstellung in Hamburg rückt die lange und vielschichtige Beziehung der Menschheit zu Katzen in den Fokus. Unter dem Titel Katzen! erkundet die Schau im MARKK – Museum am Rothenbaum, wie diese Tiere Kultur, Gesellschaft und sogar Politik geprägt haben. Statt mit kühnen Thesen zu punkten, lädt sie Besucher ein, über die subtilen Wege nachzudenken, auf denen Katzen unser Leben beeinflussen – von antiker Verehrung bis zum modernen Internetphänomen.

Die Idee zu Katzen! stammte von Barbara Plankensteiner, der Direktorin des MARKK, die beobachtete, wie allgegenwärtig Katzen in Medien, Kunst und sozialen Plattformen sind. Die Ausstellung gliedert die Verbindung zwischen Mensch und Katze in fünf Themenbereiche: niedlich, verehrt, nützlich, mächtig und unabhängig. Jeder Abschnitt präsentiert Bilder, historische Objekte und sogar Fotos, die von der Öffentlichkeit eingereicht wurden – mit einem besonderen Schwerpunkt auf japanischen Interpretationen von Kawaii, der Kultur der Niedlichkeit.

Ein zentraler Diskussionspunkt der Schau hinterfragt veraltete Klischees, insbesondere das des „kindlosen Katzenfräuleins“. Die Ausstellung zeichnet nach, wie dieses Label genutzt wurde, um Frauen herabzuwürdigen, und deckt seine Wurzeln in historischer Frauenfeindlichkeit auf. An anderer Stelle erhalten Großkatzen wie Jaguare und Pumas symbolische Bedeutung: Sie stehen für weiblichen Widerstand in den Protestbewegungen des 21. Jahrhunderts in Lateinamerika. Begleitend zur physischen Ausstellung erschien zum Eröffnungstermin ein Podcast der Stiftung für Zukunftsfragen mit dem Titel Wie Haustiere unsere Gesellschaft prägen. Der zur Schau gehörende Katalog wirft zudem die These auf, dass das Zusammenleben mit Katzen – Wesen, die sich jeder rein zweckmäßigen Nutzung entziehen – für den Menschen eine Art ethischer Prüfstein ist.

Die Ausstellung Katzen! ist noch bis zum geplanten Ende zu sehen und bietet eine Mischung aus verspieltem und anregendem Material. Die Besucher gewinnen einen tieferen Einblick, wie Katzen über die Jahrhunderte hinweg verehrt, gefürchtet und geliebt wurden. Mit ihrer Verbindung von Geschichte, Aktivismus und Popkultur zeigt die Schau, dass diese Tiere weit mehr sind als nur Hausgenossen.