Wie *Die Tödliche Doris* mit Punk und Provokation die Kunstwelt revolutionierten

Wie *Die Tödliche Doris* mit Punk und Provokation die Kunstwelt revolutionierten
Große Retrospektive zu Die Tödliche Doris im Bremer Weserburg Museum eröffnet
Im Weserburg Museum in Bremen ist derzeit eine umfassende Retrospektive zu Die Tödliche Doris zu sehen – die erste tiefgehende Auseinandersetzung mit dem einflussreichen Punk-Kollektiv und Künstlerduo, das 1980 in West-Berlin gegründet wurde. Die Ausstellung präsentiert Filme, Performances und konzeptuelle Werke, die über Jahrzehnte hinweg künstlerische Normen herausforderten.
Die Schau vereint zudem den überlebenden Mitbegründer, Thomas Müller, mit posthum eingebrachten Arbeiten des verstorbenen Nikolaus Utermöhlen. Ihre gemeinsamen Projekte, darunter der provokante Film Das Leben von Sid Vicious, bilden einen zentralen Erzählstrang der Ausstellung.
Thomas Müller und Nikolaus Utermöhlen gründeten Die Tödliche Doris 1980 zunächst als Punkband, doch ihr Schaffen ging bald über die Musik hinaus. Bereits 1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten im Berliner Tempodrom auf und festigten damit ihren Ruf für Unberechenbarkeit. Kritiker beschrieben sie oft als „immer dort, wo man sie am wenigsten erwartet“.
Ihre Einladung zur documenta 1987 in Kassel überraschte viele: Statt eines Punk-Spektakels präsentierten sie ein konzeptuelles Gemälde – ein bewusster Bruch mit Erwartungen, der ihr Anliegen unterstrich, künstlerische Konventionen zu unterlaufen. Dieses Thema vertieften sie in Werken wie Die Totalität allen Lebens und alles Darüber Hinaus. Film entwickelte sich für das Duo zu einem zentralen Medium, in dem Musik, Performance und bildende Kunst zu einem Gesamtwerk verschmolzen.
Die Weserburg-Ausstellung betont diesen multimedialen Ansatz: Gleichzeitig ablaufende Super-8-Filme schaffen eine dynamische, „summende“ Atmosphäre. Zu den gezeigten Werken zählt Materialien für die Nachkriegszeit, das später Filme wie Die fabelhafte Welt der Amélie inspirierte und Künstler wie Christoph Schlingensief oder Pipilotti Rist prägte. Ein weiterer Höhepunkt ist die umstrittene Produktion Das Leben von Sid Vicious, die einst für ihre kühnen Inhalte heiße Debatten auslöste.
Nikolaus Utermöhlen starb 1996, doch seine Zusammenarbeit mit Thomas Müller bleibt in Ausstellungen präsent. Thomas Müller, heute 68 und weiterhin in Berlin aktiv, steuert zur Schau 2025 eigene Beiträge sowie Archivmaterial bei. Gemeinsam hinterlassen sie ein Erbe, das die experimentelle Kunst und Punkkultur nachhaltig geprägt hat.
Die Weserburg-Retrospektive bietet als erste umfassende Werkschau einen Querschnitt durch Film, Performance und konzeptuelle Kunst von Die Tödliche Doris. Ihr Einfluss reicht von Underground-Punk-Szenen bis in den Mainstream-Kino – ein Beweis für ihre anhaltende Strahlkraft. Die Ausstellung bleibt für Besucher geöffnet, die die Grenzen zwischen Provokation und künstlerischer Innovation erkunden möchten.

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