09 June 2026, 12:35

Streit um das Dichterhaus Ramón López Velarde: Kulturerbe in Gefahr?

Dichter kämpfen weiter, trotz Verlust von Identität und Namen des Casa Ramón López Velarde

Streit um das Dichterhaus Ramón López Velarde: Kulturerbe in Gefahr?

Ein Streit um die Zukunft des Dichterhauses Ramón López Velarde, einer historischen Literaturstätte in Mexiko-Stadt, ist entbrannt. Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen werfen den Behörden vor, die kulturelle Bedeutung des Ortes zu vernachlässigen, während offizielle Stellen beteuern, das poetische Erbe werde bewahrt. Die Kontroverse verschärfte sich nach einer jüngsten Eröffnung, bei der zentrale Fragen offenblieben.

Am 4. Juni 2023 eröffnete Ana Francis Mor das nun in Haus der Worte umbenannte Gebäude, das zuvor Ramón López Velarde gewidmet war. Bei der Zeremonie wurde mit keinem Wort das Schicksal der Bibliotheken von Salvador Novo und Efraín Huerta erwähnt, die dort einst untergebracht waren. Diese Auslassung löste unter Dichter:innen und Forscher:innen Empörung aus – sie verurteilten den Schritt als Enteignung und autoritären Akt.

Die Schriftstellerin María Rivera gehört zu den schärfsten Kritiker:innen der behördlichen Umgestaltung. Sie wies die Behauptung zurück, Schäden am Dichterhaus seien behoben worden, und argumentierte, dass einer der geschätztesten Orte für Poetry-Lesungen der Literaturszene faktisch demontiert werde. Zudem warf Rivera linkspopulistischen Funktionären vor, das poetische Erbe des Ortes nicht zu wahren.

Eduardo Suárez del Real, ein Vertreter der Stadtregierung, entgegnete, Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum habe zugesichert, den Namen Dichterhaus Ramón López Velarde sowie seine Widmung der Poesie beizubehalten. Bisher haben jedoch weder die Verwaltung von Mexiko-Stadt noch das Kultursekretariat eine offizielle Stellungnahme abgegeben. Unterdessen fordert eine auf Change.org gestartete Petition die Aussetzung aller Umbaumaßnahmen.

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Der Konflikt offenbart tiefe Gräben zwischen Kulturschaffenden und Stadtbehörden. Das Dichterhaus bleibt in der Schwebe – unklar ist, wie seine Zukunft aussehen und wer es verwalten soll. Das Fehlen offizieller Klarstellungen lässt die Literaturszene weiter auf Antworten über den Erhalt ihres Erbes warten.

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