Schröder fordert SPD-Reformen und greift Doppelspitze scharf an
Altkanzler Gerhard Schröder hat die SPD aufgefordert, mutige Reformen voranzutreiben, und warnt, die Partei habe ihren Weg verloren. In einer scharfen Kritik forderte er die Führungsspitze auf, sich auf wirtschaftliche Prioritäten zu konzentrieren und das zu beenden, was er als "Quatsch mit der Doppelspitze" bezeichnete.
Schröder betonte, die SPD müsse zu einer entschlossenen Reformagenda zurückkehren – ähnlich seinen Agenda-2010-Maßnahmen. Er unterstrich die Notwendigkeit von Entschlossenheit und Mut und verwies auf sein eigenes Wahlabendversprechen von 1998, wonach "das Land wichtiger ist als die Partei". Diese Haltung, so Schröder, sei auf Bundesebene inzwischen verschwunden.
Kritik übte er auch daran, dass die SPD wirtschaftliche Themen vernachlässige und sich in Nebensächlichkeiten verliere. Ein zentraler Vorschlag war die Wiedereröffnung der Debatte über das Rentenalter. Die letzte große Rentenreform liege schließlich zwei Jahrzehnte zurück. Seine Reformen von 2005 hatten das Renteneintrittsalter angehoben und Nachhaltigkeitsfaktoren eingeführt. Seither habe die SPD jedoch auf eine Stärkung der gesetzlichen Rente gesetzt, etwa durch den Generationenvertrag 2024/2025, der eine Nettoersatzquote von 48 Prozent garantiert und frühere Anhebungen des Renteneintrittsalters teilweise zurücknimmt.
Besonders lobend erwähnte Schröder Vizekanzler Lars Klingbeil als fähigen Politiker und nannte ihn einen "zweifellos guten Mann", der mehr Rückhalt verdiene. Zudem bezog er sich auf aktuelle Äußerungen von Cem Özdemir in Baden-Württemberg, wo der Grünen-Politiker dafür plädiert hatte, nationale Interessen über Parteipolitik zu stellen.
Besonders kritisch äußerte sich der Altkanzler über die Doppelspitze der SPD, die er als ineffizient abtat. Die Bundesführung der Partei habe den Kontakt zu den Sorgen der Bürger verloren, warnte er.
Schröders Aussagen spiegeln eine wachsende Spaltung innerhalb der SPD in Fragen der Wirtschaftspolitik und Führung wider. Sein Aufruf zu einer neuen Reformagenda erinnert an frühere Debatten über Renten, Renteneintrittsalter und Parteistrukturen. Die SPD steht nun unter Druck, auf seine Kritik zu reagieren – oder sich weiterem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, den richtigen Kurs zu verfehlen.






