07 June 2026, 07:00

Polyworking wird in Deutschland zur bitteren Notwendigkeit für die Mittelschicht

Warum immer mehr Deutsche mehrere Jobs gleichzeitig brauchen, um zu überleben

Polyworking wird in Deutschland zur bitteren Notwendigkeit für die Mittelschicht

Die Arbeitswelt in Deutschland verändert sich rasant – besonders für junge und gut ausgebildete Menschen. Während die Mieten steigen und Vollzeitstellen oft nicht mehr zum Leben reichen, greifen immer mehr Beschäftigte zu mehreren Jobs gleichzeitig, um über die Runden zu kommen. Eine aktuelle Entwicklung zeigt: Der sogenannte Polyworking-Trend hat längst die Mittelschicht erreicht. Die Situation am Arbeitsmarkt ist angespannt. Anfang 2026 erreichte die Arbeitslosigkeit unter jungen Hochschulabsolventinnen einen Rekordwert. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten massiv gestiegen – allein in Berlin kletterten die Mieten im letzten Jahrzehnt um 69 Prozent. Viele Vollzeitjobs zahlen so schlecht, dass Arbeitnehmer selbst grundlegende Ausgaben wie Miete oder Lebensmittel nicht mehr decken können.

Seit 2020 hat sich die Zahl der Teilzeitstellenausschreibungen um fast 69 Prozent erhöht. Doch selbst mehrere Teilzeitjobs reichen oft nicht aus. Eine Redakteurin in Berlin arbeitet beispielsweise 50 bis 60 Stunden pro Woche, verteilt auf zwei Teilzeitstellen und zusätzliche freiberufliche Aufträge. Schlafmangel und Dauerstress sind die Folge.

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Der Trend zum Polyworking – also das Ausüben mehrerer Jobs gleichzeitig – breitet sich besonders in der Mittelschicht aus. Mittlerweile übt jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob aus. Wirtschaftliche Unsicherheit und KI-bedingte Entlassungswellen haben die Jobstabilität weiter untergraben, sodass viele keine andere Wahl sehen, als sich mehrere Einkommensquellen aufzubauen. Die Entwicklung zeigt, wie prekär die Lage für viele Beschäftigte in Deutschland geworden ist. Während die Kosten steigen und traditionelle Arbeitsmodelle an Sicherheit verlieren, wird Polyworking für immer mehr Menschen zur Notwendigkeit. Ob sich dieser Trend langfristig stabilisiert oder zu weiteren sozialen Spannungen führt, bleibt abzuwarten.

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