Pflegenotstand in Österreich: Warum 24-Stunden-Betreuung für viele unerreichbar bleibt
Lotta BrandtPflegenotstand in Österreich: Warum 24-Stunden-Betreuung für viele unerreichbar bleibt
In Österreich versorgen rund 56.500 Betreuungskräfte etwa 35.000 hilfsbedürftige Menschen. Angesichts der alternden Bevölkerung und steigender Lebenserwartung – aktuell 84,3 Jahre bei Frauen und 79,8 Jahre bei Männern – wächst der Bedarf an Pflegeleistungen kontinuierlich.
Die Kosten für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung übersteigen dabei oft 4.000 Euro monatlich, was für viele Haushalte ohne staatliche Unterstützung kaum tragbar ist. Seit 2007 liegt die Einkommensgrenze für volle staatliche Zuschüsse zur 24-Stunden-Betreuung unverändert bei 2.500 Euro. Während Pflegeheime jährlich rund 2,5 Milliarden Euro erhalten, fließen in die häusliche Betreuung lediglich 193 Millionen Euro. Die Plattform für Persönliche Betreuung fordert daher eine Ausweitung der Fördergelder, insbesondere für geteilte Betreuungsmodelle, um die finanzielle Belastung zu verringern.
Gleichzeitig zielen vorgeschlagene Reformen darauf ab, den Zugang zu Pflegeleistungen zu verbessern und den langfristigen Bedarf durch präventive Maßnahmen zu senken. Die Initiative Gut leben im Viertel bietet etwa Workshops und Beratungen zu Bewegung, Ernährung und psychischer Gesundheit an. Solche Programme sollen ältere Menschen länger selbstständig halten und so den Einstieg in die Pflege hinauszögern.
Ohne angepasste Fördergelder oder höhere Zuschüsse bleibt die 24-Stunden-Betreuung für viele Österreicher:innen jedoch unerreichbar. Die Diskrepanz zwischen den Kosten und den verfügbaren Mitteln verschärft die Herausforderungen in der Pflegeversorgung. Die demografische Entwicklung und die hohen Pflegekosten erfordern dringend politische Lösungen. Ohne Reformen bei den staatlichen Zuschüssen und eine bessere Verteilung der Mittel wird die 24-Stunden-Betreuung für einen Großteil der Bevölkerung auch künftig schwer zugänglich bleiben. Präventive Angebote wie Gut leben im Viertel könnten zwar helfen, den Pflegebedarf langfristig zu reduzieren – doch kurzfristig bleibt die Finanzierung der Betreuung eine der größten Hürden.
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