Neue OAZ will Ostdeutschlands Medienlandschaft revolutionieren – doch Kritik bleibt nicht aus
Lotta BrandtNeue OAZ will Ostdeutschlands Medienlandschaft revolutionieren – doch Kritik bleibt nicht aus
"Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" (OAZ): Neues Blatt will Ostdeutschlands Medienlandschaft prägen
In Ostdeutschland ist mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ) eine neue Tageszeitung an den Start gegangen, die sich als prägende Stimme der Region etablieren will. Verleger Holger Friedrich setzt auf eine starke ostdeutsche Identität und positioniert das Blatt als künftiges Leitmedium – eine führende Instanz für den Osten. Doch bereits jetzt sieht sich die Zeitung mit Kritik an ihrer redaktionellen Ausrichtung konfrontiert und muss sich gegen etablierte Titel wie die neues deutschland (nd) behaupten.
Tatsächlich erschien die OAZ erst nach 2025 – deutlich später, als die Angabe zur Gründung 2006 vermuten lässt. Friedrich übt öffentlich Kritik an jüngeren Journalisten, denen er einen "aktivistischen Impuls" vorwirft und denen es seiner Meinung nach an differenzierter Analyse mangelt. Sein Konzept für die Zeitung kreist um die ostdeutsche Identität, doch Beobachter werfen dem Blatt vor, sich damit rechtspopulistischen Erzählungen anzunähern.
Beim zweiten Zukunftskongress Deutsche Medien des Madsack-Konzerns diskutierten Branchenvertreter über die Herausforderungen des Sektors. Vorstandschef Thomas Düffert warnte, dass sich Journalismus langfristig nicht allein über Print-Erlöse finanzieren lasse. Zugleich kritisierte er den Ansatz der OAZ und stellte ihm Madsacks Fokus auf fundierten Lokaljournalismus gegenüber. Düffert monierte zudem, dass die aktuelle Medienpolitik in Deutschland den digitalen Wandel bremse und Verlagen so den Übergang zu tragfähigen Geschäftsmodellen erschwere.
Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck beteiligte sich an der Debatte und rief die Medien auf, die Demokratie mit "Entschlossenheit, Fantasie und Mut" zu verteidigen. Er warnte davor, die Schwächen der Demokratie überzubetonen – ständige Kritik könne das Vertrauen der Bürger untergraben. Gauck betonte, wie wichtig starke, glaubwürdige Medienmarken seien, um den Journalismus in einer zunehmend zersplitterten Landschaft zu verankern.
Der Vorstoß der OAZ, sich in Ostdeutschland als führende Medienmarke zu etablieren, fällt in eine Phase tiefgreifender Branchenumbrüche. Während Verlage wie Madsack die digitale Transformation vorantreiben, unterstreichen Stimmen wie die Gaucks die Rolle der Medien als Stütze der Demokratie. Ob neue Projekte wie die OAZ erfolgreich sein werden, hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, identitätsstiftende Inhalte mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit und öffentlichem Vertrauen in Einklang zu bringen.