"Miss Germany" 2024: Warum zwei Frauen mit Kopftuch die Debatte über Deutschsein entfachen
Hannah Böhm"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany" 2024: Warum zwei Frauen mit Kopftuch die Debatte über Deutschsein entfachen
Deutschland krönt am Wochenende seine neue "Miss Germany" in München
Unter den neun Finalistinnen befinden sich diesmal zwei Frauen mit Kopftuch, die wegen angeblich fehlender "Deutschheit" Kritik auf sich gezogen haben. Der Wettbewerb, der heute Führungskompetenz und Innovation in den Mittelpunkt stellt, hat sich längst von klassischen Schönheitsidealen verabschiedet.
Zu den diesjährigen Kandidatinnen zählen eine Biologin, eine Pressesprecherin der Bundeswehr und eine Ärztin, die mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Alle neun Frauen verfügen über akademische Abschlüsse oder Führungspositionen – ein Zeichen für die Neuausrichtung der Veranstaltung, die nun berufliche Erfolge statt äußere Attribute feiert.
Aus über 2.600 Bewerberinnen wurden die Finalistinnen ausgewählt, jede mit einem einzigartigen Werdegang. Die aktuelle Titelträgerin, Dr. Valentina Busik, eine Ärztin, die KI für die Digitalisierung im Gesundheitswesen nutzt, verkörpert diese neue Richtung. Die Organisatoren wollen künftig eher DAX-Vorständinnen oder erfolgreiche Unternehmerinnen ins Rampenlicht rücken als klassische Schönheitsköniginnen.
Kritik an "deutscher Identität" Büsra Sayed, Unternehmerin in der Kategorie "Female Founder", und Amina Ben Bouzid, die sich in der Kategorie "Female Leader" für frauengeführte Marken einsetzt, stehen seit ihrem Einzug ins Finale besonders in der Kritik. Zweifel an ihrer "deutschen Identität" veranlassten Sayed zu ironischen Kommentaren über Klischees – etwa die angebliche deutsche Vorliebe für Durchlüftung –, um ihre Zugehörigkeit zu unterstreichen. Ben Bouzid sieht ihre Teilnahme als Ehre und Chance, Mädchen zu inspirieren, die sich in ihr wiedererkennen.
Beide Frauen haben bereits Alltagsrassismus erlebt, doch seit ihrer Nominierung hat die Ablehnung noch zugenommen. Sayed fragte provokant, ob Deutschsein über die Frisur definiert werde, und wies die Kritik als absurd zurück. Trotz der Anfeindungen bleiben sie selbstbewusst – in ihrer Identität wie in ihrem Beitrag zur deutschen Gesellschaft.
Vielfalt statt Klischees Die weiteren Finalistinnen sind Amelie Reigl, Biologin und Gründerin; Aileen Tina Hufschmidt, Pressesprecherin der Bundeswehr; Stephie Braun, Fotografin; Rose Mondy, Streamerin; Anne Bäumler, Managerin mit 800 Mitarbeiter:innen bei dm; und Paula Daub, Vertriebsleiterin. Sie alle stehen für den Wandel des Wettbewerbs, der Führungskraft und Expertise über traditionelle Pageant-Kriterien stellt.
Das Finale der "Miss Germany" am 7. März präsentiert neun Frauen mit akademischen und beruflichen Erfolgen. Die Neuausrichtung betont Leadership und Innovation – und bricht mit veralteten Schönheitsnormen. Für Sayed und Ben Bouzid ist der Wettbewerb zudem eine Plattform, um Vorurteile darüber zu widerlegen, was "deutsch sein" eigentlich bedeutet.