Merz fordert Europas Abkehr von den USA – und warnt vor übermäßiger Abhängigkeit
Lotta BrandtMerz fordert größeren EU-Unabhängigkeit von den USA - Merz fordert Europas Abkehr von den USA – und warnt vor übermäßiger Abhängigkeit
Bundeskanzler Friedrich Merz fordert größere Unabhängigkeit der EU von den USA
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Europäische Union aufgefordert, sich deutlich unabhängiger von den Vereinigten Staaten aufzustellen. Seine Äußerungen fielen Ende Januar 2026 in eine Phase zunehmender Spannungen in Handels- und Sicherheitspolitik. Merz betonte, Europa müsse auf eigene Stärke setzen und seine Wirtschaft reformieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Hintergrund der Positionsänderung ist die öffentliche Kritik an der Entscheidung von US-Präsident Trump, NATO-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Merz unterstrich zudem, dass Demokratien in der globalen Politik als gleichberechtigte Partner agieren sollten – nicht als Untergebene.
Merz' schärferer Kurs folgte auf die Blockade eines wichtigen Handelsabkommens mit den USA durch die EU. Der Block bereitet zudem Gegenmaßnahmen in Höhe von 93 Milliarden Euro vor, die ab dem 6. Februar 2026 in Kraft treten sollen – als Reaktion auf Trumps Drohungen mit Zöllen im Streit um Grönland. Der Kanzler bezeichnete die transatlantischen Beziehungen als grundlegend verändert, bedauerte die Entwicklung jedoch.
Gleichzeitig warnte er, die EU habe durch übermäßige Regulierung Wachstumschancen verspielt. Um dies zu korrigieren, forderte er eine Rückkehr zu grundlegenden Prinzipien: Ehrgeiz, Mut und entschlossenes Handeln. Seine Vision umfasst ein Europa, das durch ein Netzwerk souveräner, agiler Staaten Freihandel und Multilateralismus vorantreibt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Technologie. Merz bestand darauf, dass die EU ihre Abhängigkeit von ausländischen Mächten verringern müsse, indem sie eigene Kapazitäten aufbaut. Zudem verwies er auf neue Partnerschaften mit aufstrebenden demokratischen Nationen, die an europäischen Waren und Dienstleistungen interessiert sind.
Für die Zukunft skizzierte Merz den Weg zu einem souveränen, friedlichen und wirtschaftlich starken Europa. Deutschland könne diese Transformation seiner Ansicht nach vorantreiben, indem es die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Staaten fördert.
Die geplanten EU-Gegenzölle und Merz' Reformaufruf markieren einen klaren Bruch mit der bisherigen Abhängigkeit von den USA. Seine Vorschläge zielen darauf ab, Europas wirtschaftliche und politische Eigenständigkeit in einer sich wandelnden globalen Ordnung zu stärken. Die nächsten Schritte hängen davon ab, wie die Mitgliedstaaten auf seinen Vorstoß für tiefere Integration und mehr Selbstständigkeit reagieren.
