Mainzer Karneval feiert 100 Jahre Hofsänger – mit Tradition und Revolution
Elias WernerMainzer Karneval feiert 100 Jahre Hofsänger – mit Tradition und Revolution
Mainz bleibt Mainz – wie es singt und lacht: Die berühmteste Karnevalssendung Deutschlands hat ihre letzten Proben abgeschlossen. Die Generalprobe fand am Mittwochabend im Kurfürstlichen Schloss in Mainz statt, bevor die Live-Übertragung an diesem Freitag stattfindet. Die diesjährige Ausgabe markiert einen historischen Meilenstein, denn die legendäre Truppe Die Hofsänger in Gold'nem Mainz feiert 2026 ihr hundertjähriges Jubiläum.
Das Programm präsentiert 16 Auftritte, die scharfe Satire mit heiterem Treiben verbinden. Erstmals seit 200 Jahren wird eine Frau den großen Aufmarsch der Karnevalsgarde anführen – ein Bruch mit der Tradition in einem Fest, das lange von Männern dominiert wurde.
Der Abend begann mit der Rückkehr von Andreas Schmitt als Obermessdiener (Oberster Messdiener), der im vergangenen Jahr krankheitsbedingt gefehlt hatte. Auf einer schlichten Bank sitzend, hielt er seine Bütt-Rede – einen satirischen Rückblick auf das Jahr –, wobei die genauen politischen Spitzen noch unter Verschluss bleiben.
Florian Sitte betrat als Till Eulenspiegel die Bühne und nahm politische Extreme aufs Korn, während er den Anstieg des Antisemitismus anprangerte. Seine pointierten Kommentare setzten einen ernsten Akzent inmitten des bunten Treibens. Markus Schönberg hingegen, in der Rolle des Ignaz, brachte mit seinem selbstgeschriebenen Lied über die Verlegung seines geliebten Bauernmarkt-Frühstücks das gesamte Publikum zum Mitsingen.
Einer der Höhepunkte des Abends war die Nummer Mus-Eum, in der vier Frauen als Influencerinnen in einem Museum auftraten. Der Auftritt brachte frischen Wind in die traditionell männlich geprägte Karnevalsszene. Jürgen Wiesmann als Ernst Lustig begeisterte das Publikum mit seiner Hobby-Dogging-Einlage – ein Meisterstück des klassischen Karnevals-Kokolores (nonsensiger Humor).
Der Abend war auch emotional geprägt, als Hans-Joachim Greb, bekannt als Hobbes, nach 45 Jahren auf der Bühne seinen letzten Auftritt hatte. Er beendete seine Darbietung mit den Worten: "Tschüss, helau, das war's." Ein weiterer Meilenstein war Christina Grom, die als erste Frau seit 200 Jahren das Protokoll führte und den traditionellen Protokoll-Vortrag (Jahresrückblick) beim großen Aufmarsch hielt.
Die Sendung wird live am Freitag (13. Februar) um 20:15 Uhr auf ZDF übertragen. Den Abschluss bildet ein Auftritt der Hofsänger in Gold'nem Mainz, die mit ihrem Programm das 100-jährige Bestehen der Truppe feiern – unter dem diesjährigen Motto: "Die Hofsänger in Gold'nem Mainz – Seit 100 Jahren Nummer 1".
Der Karnevalsspecial 2026 wird für seine Mischung aus Tradition und Wandel in Erinnerung bleiben. Eine Frau, die erstmals das Protokoll führt, und eine rein weiblich besetzte Nummer deuten auf Veränderungen in einem Fest hin, das lange von Männern dominiert wurde. Die Live-Übertragung verspricht Satire, Musik und einen Abschied von einer Karnevalslegende nach fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne. Zuschauer können sich am Freitag das gesamte Spektakel ansehen.
Frauenpower wächst in der Mainzer Faschingsaufstellung
Der 'Mus-Eum'-Teil des Mainzer Faschings präsentiert nun vier weibliche Influencerinnen (Katharina Greule, Laura Heinz, Teresa Betz, Maire Döngi) – eine significativa Erhöhung des rein weiblichen Aktes. Meanwhile, ZDFs 'Kölle Alaaf – Die Mädchensitzung' am 11. Februar zeigte das kölsche Fasching mit weiblicher Führung, was die Bühne für das historische Ereignis in Mainz bereitete.
