14 March 2026, 18:19

Jürgen Habermas stirbt mit 96 – das Ende einer Ära des kritischen Denkens

Porträt von Hermann Boerhaave, einem deutschen Philosophen, mit Text am unteren Bildrand.

Steinmeier und Merz ehren verstorbenen Philosophen Habermas - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – das Ende einer Ära des kritischen Denkens

Jürgen Habermas, Deutschlands einflussreichster zeitgenössischer Philosoph, ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Sein Tod am Samstag in Starnberg markiert das Ende einer Ära für kritisches Denken und demokratischen Diskurs. Politiker aus dem ganzen Land würdigen sein unvergleichliches geistiges Erbe.

Habermas stieg zu einem der führenden Denker der Aufklärung auf und analysierte die Widersprüche der Moderne mit unerbittlicher Präzision. Sein Werk kreiste um demokratischen Dialog und menschliche Emanzipation und prägte Generationen von Wissenschaftlern sowie die öffentliche Debatte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier pflegte bis zuletzt einen engen Austausch mit ihm und diskutierte oft über die Zukunft Deutschlands und Europas.

Jahrzehntelang war Habermas eine streitbare Stimme in politischen Diskussionen. Ende der 1960er-Jahre kritisierte er die Studentenbewegung und warnte vor dem, was er als "linken Faschismus" und eine "Pseudo-Revolution der Kinder" bezeichnete – ausgelöst durch den Tod Benno Ohnesorgs und den Anschlag auf Rudi Dutschke. Zuvor hatte er sich gegen Konrad Adenauers Wiederbewaffnungspolitik und die konservative Restauration gestellt. 1986 wurde er dann zu einer zentralen Figur im Historikerstreit, in dem er Historiker herausforderte, die Deutschlands historische Verantwortung verharmlosen wollten.

Seine intellektuelle Strenge und sein liberaler Geist brachten ihm weltweite Anerkennung ein. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete ihn als einen der bedeutendsten Denker unserer Zeit. Habermas' Theorien zur Gesellschaftskritik und zur modernen Gesellschaft hinterließen unauslöschliche Spuren im deutschen und globalen Denken.

Deutschland verliert mit Habermas einen Philosophen, dessen Ideen eine Epoche prägten. Seine Beiträge zur Demokratietheorie und zur öffentlichen Debatte bleiben grundlegend. Sein Fehlen hinterlässt eine Lücke im intellektuellen und politischen Leben, die tief spürbar sein wird.

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