Industrie warnt vor Reformstau – Hannover Messe 2026 wird zum Weckruf
Lotta BrandtIndustrie warnt vor Reformstau – Hannover Messe 2026 wird zum Weckruf
Deutsche Industrieführer drängen Regierung zu grundlegenden Reformen auf der Hannover Messe 2026
Vertreter führender Verbände aus dem Maschinenbau und der Elektroindustrie haben die Bundesregierung aufgefordert, auf der diesjährigen Hannover Messe weitreichende Reformen voranzutreiben. Sie warnten, dass weitere Verzögerungen dem Standort Deutschland nachhaltigen Schaden zufügen könnten. Die Forderungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Wirtschaftslage zu Beginn des Jahres 2026 wieder verschlechtert hat – nach monatelanger allmählicher Erholung.
Bertram Kawlath, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), kritisierte die Politik scharf für ihre Fixierung auf kurzfristige Lösungen. Er forderte niedrigere Unternehmenssteuern, eine Deckelung der Sozialabgaben sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Zudem schlug er vor, das Renteneintrittsalter anzuheben, um den Fachkräftemangel zu entschärfen.
Gunther Kegel, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), unterstützte diese Position. Er betonte die Dringlichkeit, den wachsenden Reformstau zu beseitigen. Der ZVEI rechnet für 2026 mit einem Produktionsplus von zwei Prozent – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich die Spannungen im Iran bis Mitte des Jahres abschwächen.
Trotz der Herausforderungen prognostiziert der VDMA eine leichte Erholung: Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau soll um ein Prozent steigen. Zudem setzen die Industrievertreter auf milliardenschwere Rüstungsaufträge, die die Umsätze beleben könnten. Falls diese Verträge zustande kommen, könnte sich das defensebezogene Geschäft innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln.
Kawlath warnte, dass untätiges Abwarten die Schäden für die deutsche Industrie unumkehrbar machen würde. Er bestärkte die Politik, jetzt umzusteuern, bevor es zu spät sei. Die Appelle folgen auf einen Rückgang der Wirtschaftserwartungen im ersten Quartal 2026. Noch bis Ende 2025 hatte sich die Stimmung langsam verbessert. Nun fordern die Branchenverbände dringend Reformen, um das Wachstum zu sichern und einen langfristigen Abwärtstrend zu verhindern.






