07 May 2026, 12:22

Halberstadts vergessene jüdische Vergangenheit in der DDR – ein Buch enthüllt brisante Wahrheiten

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, die zahlreiche rechteckige Betonsteine in einem Gittermuster zeigt.

Halberstadts vergessene jüdische Vergangenheit in der DDR – ein Buch enthüllt brisante Wahrheiten

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit. Unter dem Titel „Verweigerte Erinnerung“ zeigt es, wie sich der Antisemitismus trotz des offiziellen antifaschistischen Selbstverständnisses des Staates hartnäckig hielt. Die Studie beleuchtet zudem die wandelnde Erinnerungskultur der Stadt und die unbewältigten Hinterlassenschaften ihrer zerstörten jüdischen Gemeinde.

Halberstadt war einst ein blühendes Zentrum des neorthodoxen Judentums. Zwischen 1938 und 1942 wurde die jüdische Gemeinde systematisch vernichtet – der Brand der Synagoge 1938 markierte den Beginn ihrer Auslöschung. Pfarrer Martin Gabriel bezeichnete dieses Ereignis später als Anfang des Untergangs der Stadt selbst.

1949 entstand am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte, die zunächst an die Opfer von Zwangsarbeit erinnern sollte. Doch ihre Bedeutung verschob sich im Laufe der Zeit. Bis 1969 wurde die Anlage umgestaltet, um unter Jugendlichen „proletarischen Internationalismus und sozialistische Vaterlandsliebe“ zu fördern. Gleichzeitig wurden die unterirdischen Stollen des Lagers in den 1970er-Jahren als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet.

Hinter der antifaschistischen Rhetorik der DDR lauerten weiterhin antisemitische Ressentiments. Als 2018 die Rathauspassagen an jüdische Eigentümer verkauft wurden, tauchten erneut Gerüchte über einen „Verkauf an die Juden“ auf. Grafs Buch argumentiert, dass Autoritarismus, linkes Gehabe und Antisemitismus von der Gründung der DDR 1949 bis zu ihrem Untergang 1989 nebeneinander existierten.

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Trotz Unterdrückung kamen jüdische Stimmen vereinzelt zu Wort. 1969 erschienen in der DDR zwei Romane mit jüdischer Thematik: Peter Edels „Die Bilder des Zeugen Schattmann“ und Jurek Beckers „Jakob der Lügner“. Schon 1952 war die niederländische Widerstandskämpferin und Sängerin Lin Jaldati in die DDR übergesiedelt und veröffentlichte in Ost-Berlin drei Langspielplatten.

Grafs Forschung legt die Widersprüche der DDR im Umgang mit jüdischer Geschichte offen. Während sich der Staat als antifaschistisch inszenierte, unterdrückte oder verfälschte er oft jüdische Erfahrungen. Das Buch fordert eine schonungslose Aufarbeitung dieser Vergangenheit – inklusive der Versäumnisse bei der Gedenkpolitik und der Fortdauer von Antisemitismus in vermeintlich progressiven Kreisen.

Quelle