Ganztagsschulen in Niedersachsen: Kritik an mangelnder Finanzierung und Planung
Hannah BöhmGanztagsschulen in Niedersachsen: Kritik an mangelnder Finanzierung und Planung
Niedersachsens Vorstoß für mehr Ganztagsschulen stößt auf scharfe Kritik
Der Plan Niedersachsens, Ganztagsschulen auszuweiten, wird von Bildungsverbänden heftig kritisiert. Zwar boten bereits im vergangenen Jahr 75 Prozent der allgemeinbildenden Schulen eine Nachmittagsbetreuung an, doch die Verbände warnen, dass Finanzierung und Planung tiefgreifende Mängel aufweisen. Die Anhörungsprozesse bezeichneten sie als bloße "Beteiligungsinszenierung" und befürchten ein zersplittertes System.
Das neue gesetzliche Anspruchsrecht des Landes soll Kindern am Nachmittag Unterstützung bieten – insbesondere denen, deren Familien bei Hausaufgaben oder außerschulischem Lernen an Grenzen stoßen. Doch trotz dieses Ziels werfen Kritiker der Landesregierung vor, den Fokus von Bildung auf reine Betreuung verlagert zu haben. In einem offenen Brief der drei großen Verbände – Verband Bildung und Erziehung (VBE), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Deutscher Lehrerverband (DLV) – wird auf chronische Unterfinanzierung hingewiesen und eine Reform der Mittelvergabe gefordert.
Die Verbände behaupten, ihre Fachempfehlungen seien im Konsultationsprozess ignoriert worden. Zudem warnen sie, dass der aktuelle Ansatz zu ähnlichen Widersprüchlichkeiten führen könnte wie in anderen Bundesländern. Gleichzeitig haben 41 weitere Schulen beantragt, ab dem nächsten Jahr zu Ganztagsschulen umzustellen – was den Druck auf die für die Umsetzung verantwortlichen Städte und Gemeinden erhöht. Zwar begrüßen die Verbände das Ganztagsmodell grundsätzlich, doch das aktuelle Finanzierungskonzept erfülle keine Qualitätsstandards. Ohne Kurskorrektur drohe ein ungleiches und unterversorgtes System, so ihre Befürchtung.
Die Ausweitung der Ganztagsangebote in Niedersachsen schreitet dennoch voran, immer mehr Schulen steigen in das Programm ein. Doch die Kritik der Bildungsverbände unterstreicht die anhaltenden Sorgen über Finanzierungslücken und die Gefahr eines uneinheitlichen Systems. Die Kommunen stehen nun vor der Herausforderung, die neuen gesetzlichen Vorgaben umzusetzen – und dabei die bestehenden Defizite zu beheben.
