Fünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Wie Anette W. ihr Leben zurückgewinnen will
Lotta BrandtFünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Wie Anette W. ihr Leben zurückgewinnen will
Am Freitag verließ Anette W. das Frauengefängnis Hildesheim nach fünf Monaten in Zwangshaft – ohne jemals wegen einer Straftat verurteilt worden zu sein. Ihre Inhaftierung ging auf einen Familienkonflikt zurück, der begann, als ihre Tochter 2021 vor ihrem Vater weglief.
Das Martyrium der Frau nahm im November 2025 seinen Lauf, als Anette W. in Frankfurt festgenommen wurde. Die ersten Tage verbrachte sie in einer Polizeizelle ohne Bett, Uhr oder Beschäftigungsmöglichkeiten. Später wurde sie in das Gefängnis Hildesheim verlegt, wo die Bedingungen kaum besser waren: Schimmel an den Wänden, chronischer Personalmangel und weder Arbeits- noch Bildungsangebote.
150 Tage dauerte ihre Haft – ohne strafrechtliches Urteil. Rechtliche Grundlage war die zwangsweise Unterbringung nach Familienrecht, ein Vorgehen, das sie nun als willkürlich und ohne faire Verfahren kritisiert. Während ihrer Inhaftierung verlor sie ihre Wohnung, was die Trennung von ihren Kindern zusätzlich belastete.
Nach ihrer Freilassung traf Anette W. mit dem Jugendamt zusammen. Man einigte sich darauf, dass ihre jüngere Tochter wieder bei ihr leben darf. Nun konzentriert sie sich darauf, das volle Sorgerecht für ihre ältere Tochter zurückzuerlangen und den Kontakt zu ihrer jüngeren Tochter wiederaufzubauen.
Anette W. muss ihr Leben nach Monaten hinter Gittern neu aufbauen – mit der Herausforderung, eine stabile Wohnung zu finden und die Familie wieder zu vereinen. Ihr Fall wirft zudem erneut Fragen zur Praxis der Zwangshaft in Familienstreitigkeiten auf.






