Führerschein gegen Freifahrt: Wie Niedersachsen Senioren zum Umstieg bewegt

Hannah Böhm
Hannah Böhm
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Eine Straße mit Fahrzeugen und Text auf einer Präsentationsfolie.Hannah Böhm

Führerschein gegen Freifahrt: Wie Niedersachsen Senioren zum Umstieg bewegt

Mehrere Städte in Niedersachsen haben Initiativen gestartet, um Bewohner dazu zu bewegen, auf ihr Auto zu verzichten und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Die Anreize reichen von finanziellen Zuschüssen bis hin zu kostenlosen Fahrkarten – mit dem Ziel, den Verkehr zu reduzieren und umweltfreundlichere Mobilität zu fördern. Die Beteiligung fällt jedoch sehr unterschiedlich aus: Manche Programme stoßen auf deutlich größeres Interesse als andere.

In Bremerhaven verzeichnet das Umsteigen70-Ticket seit seinem Start kontinuierliche Nachfrage. Bis Dezember hatten sich über 1.500 Menschen ab 70 Jahren angemeldet, die ihren Führerschein gegen eine kostenlose Nahverkehrskarte eintauschten. Die Karte gilt für alle Stadtbusse und kann an Wochenenden und Feiertagen sogar im gesamten Bremer und niedersächsischen Verkehrsverbund genutzt werden.

In der Nähe läuft weiterhin das Programm Sichere-Fahrt-Schein in Göttingen und den umliegenden Landkreisen. Seit 2019 haben mehr als 1.200 Menschen ab 65 Jahren ihren Führerschein abgegeben und dafür ein halbes Jahr lang ein kostenloses Regionalticket erhalten. Die Nachfrage bleibt sowohl in der Stadt als auch im ländlichen Raum hoch. Göttingen testete zudem einen finanziellen Anreiz: Bis zu 700 Euro erhielten Bürger, die ihr Auto für mindestens ein Jahr verkauften oder abmeldeten. Das Geld konnte für ÖPNV, Fahrräder oder Carsharing verwendet werden. Trotz zahlreicher Anfragen bewarben sich jedoch nur neun Personen, von denen acht genehmigt wurden. Die Mittel sind inzwischen aufgebraucht, die Zukunft des Programms ungewiss.

Deutlich erfolgreicher verlief das Hannoversche Modell Fahrschein statt Führerschein, das 2024 endete: Über 8.300 Rentner ab 60 Jahren tauschten ihren Führerschein gegen ein Nahverkehrsticket ein. Rund 80 Prozent der Teilnehmer hatten zuvor noch nie ein ÖPNV-Ticket besessen.

Die Bilanz der Programme fällt gemischt aus: Während Bremerhaven und Hannover eine hohe Beteiligung verzeichneten, stieß der Göttinger Geldanreiz auf wenig Resonanz. Da einige Initiativen bereits ausgelaufen sind und andere unter Finanzierungsengpässen leiden, bleibt abzuwarten, welche langfristigen Auswirkungen sie auf Verkehr und Nachhaltigkeit haben werden.