Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih
Erlangens Stadtverwaltung verbietet bekannte Partyschlager beim diesjährigen Bergkirchweih-Fest
Die Stadtverwaltung Erlangen hat für das diesjährige Bergkirchweih-Volksfest eine Liste bekannter Partyschlager verboten. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr auf dem Fest belästigt worden sein soll. Die Behörden stufen die Lieder nun als sexistisch und für die öffentliche Wiedergabe als unangemessen ein.
Die Entscheidung hat unter Gastwirten und Musikern eine Debatte ausgelöst. Manche sehen darin eine Überregulierung, andere befürworten das Vorhaben für ein sicheres Festklima.
Der Streit begann 2023, als eine Frau aggressives Verhalten auf dem Bergkirchweih anzeigte. Gleichzeitig kritisierte sie das Musikprogramm des Festes und behauptete, bestimmte Lieder hätten eine unangenehme Atmosphäre geschaffen. Daraufhin beschloss der Stadtrat – mit breiter parteiübergreifender Unterstützung – bereits 2021, Musik mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu verurteilen.
In diesem Jahr erstellte die Stadt eine Liste verbotener Titel, darunter beliebte Partyschlager und satirische Lieder wie Skandal im Sperrbezirk. Selbst Peter Wackels Hit Joana steht auf der schwarzen Liste, was den Künstler zu einer Stellungnahme veranlasste. Wackel behauptete, viele Künstler hätten mittlerweile „überhaupt keine Lust mehr“, in Deutschland aufzutreten, da sie die Einschränkungen als überzogen empfinden.
Gastwirte reagieren skeptisch und fragen sich, ob das Verbot das Verhalten der Besucher ändern oder sie lediglich verärgern werde. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, ging noch weiter und verglich die Situation mit der Zensur in der DDR. Die Stadtverwaltung hingegen betont, das Ziel sei eine Atmosphäre des Respekts und der Sicherheit auf dem Fest.
Kritiker spotten über die neue Regelung und bezeichnen sie als „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ – ein Seitenhieb auf das, was sie als moralinsauren Übergriff wahrnehmen. Trotz der Gegenwehr appellieren die Behörden weiterhin an die Betreiber, auf die indizierten Lieder zu verzichten.
Das Verbot bestimmter Partyhits tritt beim diesjährigen Bergkirchweih in Kraft. Gastwirte müssen nun entscheiden, ob sie sich daran halten oder Strafen riskieren. Die Diskussion zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen Festtraditionen und dem Bemühen, Belästigung und Sexismus im öffentlichen Raum entgegenzuwirken.






