DT64 kehrt als Theaterdrama zurück: Rebellion zwischen Zensur und Umbruch

Admin User
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Zwei Personen, die auf der Bühne Musik machen, mit einem Lautsprecher unten, einer Menge links und Lampen, die von der Decke hängen.

DT64 kehrt als Theaterdrama zurück: Rebellion zwischen Zensur und Umbruch

Ein neues Drama-Stück bringt den rebellischen Geist von DT64 zurück – dem legendären Jugendradio der DDR. On Air On Fire, geschrieben von der ehemaligen Moderatorin Marion Brasch, beleuchtet die turbulenten letzten Jahre des Senders zwischen Zensur und politischem Umbruch. Die Produktion fällt zudem mit dem 75. Jubiläum des Theaters an der Parkaue zusammen, einer Berliner Institution, die bis heute jungen Stimmen eine Bühne bietet.

DT64 startete 1964 als Jugendwelle des Radio DDR und bot Musik und Diskussionen für eine Generation, die hinter dem Eisernen Vorhang aufwuchs. In den späten 1980er-Jahren wurde der Sender zum Schauplatz des Kampfes um freie Meinungsäußerung. Brasch, die von 1986 bis 1992 dort arbeitete, erinnert sich an eine Zeit, in der Moderator:innen und Hörer:innen auf Augenhöhe agierten und Programme gemeinsam gestalteten.

Ihr Stück setzt dort an, wo die Zensur endete. 1988 verbot DT64 Rio Reisers Lied Der Traum ist aus – ein Schritt, der die Hörerschaft empörte. Ein Jahr später verweigerte eine Nachrichtensprecherin den Befehl, die staatlich geschönte Version des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen. Diese Momente des Widerstands bilden das Gerüst von On Air On Fire, das reale Ereignisse mit Braschs persönlicher Geschichte verwebt.

Der Kampf um DT64 selbst war dramatisch. Als die DDR zusammenbrach, besetzten Hörer:innen die Senatskanzlei, um gegen die geplante Abschaltung des Senders zu protestieren. Eine junge Frau sagte nach dem Mauerfall zu einer DT64-Reporterin: „Unsere Unfähigkeit zu senden, macht uns jeden Tag mehr Feinde.“ Der Satz fängt die Frustration einer Gesellschaft ein, die ihre kreative Energie verlor.

Das Theater an der Parkaue, wo das Stück Premiere feiert, hat selbst eine lange Tradition der Jugendförderung. 1950 als Theater der Freundschaft gegründet, bietet es bis heute Workshops an, in denen junge Menschen Geschichten teilen und einander zuhören. Braschs Werk knüpft an diese Tradition an und verwandelt DT64s Erbe in ein lebendiges Bühnenerlebnis.

Die Inszenierung erscheint passend zum 75-jährigen Jubiläum des Theaters, das jungen Menschen seit jeher eine Stimme verleiht. On Air On Fire bewahrt DT64s aufrührerische Momente – von zensierten Liedern bis zu live gesendeten Revolten. Für Brasch und das Theater ist die Geschichte eine Mahnung daran, was passiert, wenn eine Generation sich weigert, zu schweigen.