Chaos im Niedersachsen-Netz: Warum Start scheiterte und DB Regio jetzt übernimmt
Hannah BöhmChaos im Niedersachsen-Netz: Warum Start scheiterte und DB Regio jetzt übernimmt
Das problematische Kapitel der Start Niedersachsen Mitte ist beendet. Der Bahnbetreiber, der 2021 das Dieselnetz in Zentral-Niedersachsen übernommen hatte, stand wegen Verspätungen, Zugausfällen und überfüllten Waggons in der Dauerkritik. Nach der Auflösung des Tochterunternehmens im August 2023 übernimmt nun DB Regio wieder die Verantwortung.
Die Schwierigkeiten begannen im Sommer 2021, als Start Niedersachsen Mitte den Betrieb in der Region Heidekreis aufnahm. Das Unternehmen hatte im September 2020 eine europaweite Ausschreibung gewonnen und mit Verbesserungen wie kostenlosem WLAN an Bord, besserer Fahrgastinformation und Personal in jedem Zug geworben. Doch die erste Saison war geprägt von gestrandeten Radfahrern, unzuverlässigen Verbindungen und einem Imageschaden für den lokalen Tourismus.
Bis November 2022 hatte der Landesnahverkehrsverband Niedersachsen (LNVG) dem Betreiber wegen mangelnder Servicequalität bereits 2,7 Millionen Euro Strafen auferlegt. 2023 folgte eine offizielle Abmahnung nach dem langanhaltenden Zusammenbruch der Strecke Uelzen–Bremen. Da sich die Lage nicht besserte, kündigte der LNVG den Vertrag vorzeitig – Jahre vor dem eigentlichen Ende 2029.
Die Deutsche Bahn-Tochter DB Regio löste die Start Deutschland GmbH und ihre Tochtergesellschaften zum 1. August 2023 offiziell auf. Das Netz, das die Linien RB 37 und RB 38 nach Hannover, Hamburg, Uelzen und Bremen umfasst, kehrt damit zurück unter die Regie von DB Regio. Der Fahrgastverband Pro Bahn und der SPD-Politiker Sebastian Zinke zeigen sich vorsichtig optimistisch.
Die Rückkehr zu DB Regio markiert das Ende einer turbulentem Phase für den Regionalverkehr in Niedersachsen. Die Strafen des LNVG und die vorzeitige Vertragsbeendigung unterstreichen das Ausmaß der Service-Mängel. Nun wird sich zeigen müssen, ob unter dem ursprünglichen Betreiber die Zuverlässigkeit wiederhergestellt werden kann – sowohl für die Fahrgäste als auch für die Verantwortlichen eine entscheidende Frage.
