BP und Shell setzen auf Wasserstoff – doch warum gerade in Deutschland?
Elias WernerBP und Shell setzen auf Wasserstoff – doch warum gerade in Deutschland?
Europas Ölmultis verlagern ihren Fokus zwischen fossilen Brennstoffen und Wasserstoff – dabei entwickelt sich Deutschland zu einem zentralen Standort für neue Investitionen. Sowohl BP als auch Shell haben große Wasserstoffprojekte im Land angekündigt, während sie gleichzeitig ihre umfassenderen Pläne für erneuerbare Energien zurückfahren. Diese Schritte erfolgen vor dem Hintergrund wachsender politischer Unterstützung und Marktnachfrage nach saubereren Energiealternativen in der Region.
BP treibt sein Lingen-Grünwasserstoff-Projekt voran, eine 100-Megawatt-Elektrolyseanlage, die ab 2027 jährlich bis zu 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren soll. In Partnerschaft mit dem Industriedienstleister Bilfinger hat das Unternehmen dies als sein einziges großangelegtes Wasserstoffvorhaben weltweit bestätigt – nach der Absage eines geplanten Projekts in Australien im Juli 2025. Trotz der Aussetzung von Aktienrückkäufen, um die Öl- und Gasgeschäfte zu stärken, betont BP, man bleibe dem Wasserstoff verpflichtet, auch wenn die allgemeinen Ambitionen im Bereich erneuerbarer Energien gedrosselt wurden.
Unterdessen bringt Shell sein Refhyne-2-Projekt in der Nähe von Köln voran und sichert sich etwa ein Drittel der 332-Megawatt-Kapazität vom Offshore-Wind-Anbieter Nordsee One. Der Energiekonzern, ähnlich wie BP, hat sich zwar wieder stärker auf fossile Brennstoffe konzentriert, investiert aber weiterhin in Wasserstoff – für ihn ein strategischer Schwerpunkt in Europa. Analysten warnen, dass solche Wetten auf Wasserstoff langfristige Risiken bergen könnten, doch die Großkonzerne lassen sich davon nicht abschrecken.
Beide Unternehmen verweisen auf höhere Gewinnmargen im Öl- und Gasgeschäft im Vergleich zu Solar- oder Windenergie. Dennoch treiben Deutschlands politische Rahmenbedingungen und Marktanreize ihre Wasserstoffinvestitionen voran, während andere Projekte im Bereich erneuerbarer Energien in den Hintergrund rücken.
Die beiden Ölriesen bündeln ihre Wasserstoffaktivitäten nun in Deutschland, wobei BPs Lingen-Anlage und Shells Refhyne-2-Projekt ihre größten Verpflichtungen in diesem Bereich darstellen. Zwar hat sich die Ausweitung erneuerbarer Energien verlangsamt, doch diese Vorhaben deuten auf einen gezielten Ansatz hin, der fossile Abhängigkeiten mit aufkommenden Wasserstoffchancen in Einklang bringt. Ob diese Projekte langfristig erfolgreich sein werden, bleibt ungewiss – ihr Fortschritt wird jedoch die Energiewende in Europa in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.
