21 February 2026, 14:27

Borkums Gas-Konflikt spaltet die Grünen: Energiesicherheit gegen Klimaschutz

Eine Gruppe maskierter Personen mit einer 'United Climate'-Schleife vor einer Tankstelle, mit Fahrzeugen auf der Straße, Gras, Schildern, Gebäuden, Bäumen und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Borkums Gas-Konflikt spaltet die Grünen: Energiesicherheit gegen Klimaschutz

Auf der Nordseeinsel Borkum entbrennt ein erbitterter Streit um die Gasförderung. Die kleine Insel ist zum Zankapfel im deutschen Kampf gegen fossile Brennstoffe geworden – seit von ihren Küsten aus eine Bohrplattform zu sehen ist. Aktivisten, angeführt von jungen Klimaschützern, liefern sich einen Konflikt mit dem Energiekonzern One-Dyas, der mit der Förderung im Gasfeld N05-A begonnen hat.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Auseinandersetzung spaltet die inzwischen regierenden Grünen in zwei Lager: zwischen denen, die die Proteste unterstützen, und denen, die die Energiesicherheit priorisieren. Mit der anstehenden Abstimmung des Bundesrats über das Unitization-Abkommen könnte dies eine der letzten Chancen sein, das Projekt noch zu stoppen.

Das Gasfeld N05-A liegt 20 Kilometer vor Borkum und erstreckt sich über niederländische und deutsche Gewässer. Der Energieriese One-Dyas treibt die Förderung hier seit Langem voran und hat kürzlich mit der Produktion begonnen, nachdem ein Liefervertrag mit dem deutschen Versorger EWE unterzeichnet wurde. Kritiker – darunter Klimaschutz-NGOs und die Bewegung Fridays for Future – werfen dem Projekt vor, die Energiewende zu untergraben. Es sei absurd, Windkraft für den Ausbau fossiler Brennstoffe zu nutzen; zudem verstoße das Vorhaben gegen internationales und Verfassungsrecht.

An der Spitze der Proteste steht die 21-jährige Nele Evers, die auf Borkum die Kampagne von Fridays for Future anführt. Die Bewegung hat das Thema auf die nationale Agenda der Grünen gebracht, die nun Teil der Regierungskoalition sind. Doch die Partei ist zerrissen: Während einige Mitglieder die Aktivisten unterstützen, verweisen andere auf die drängenden Fragen der Versorgungssicherheit.

Regionale Unterschiede verschärfen den Konflikt weiter. In Baden-Württemberg änderten die Grünen ihre Haltung von Ablehnung zu bedingter Unterstützung – zumindest bis Mitte 2025. Begündet wird dies mit den dringenden Bedürfnissen nach der Gaskrise infolge des Ukraine-Kriegs. Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte, der Schritt sei notwendig. Die Grünen in Rheinland-Pfalz hingegen bleiben strikt dagegen, geschützt durch strengere Landesumweltgesetze und eine geringere Abhängigkeit von Gas. Ihre Minister lehnen jeden Kompromiss ab.

Die Entscheidung des Bundesrats über das Unitization-Abkommen könnte das letzte Hindernis für die Projektgegner sein. Wird es gebilligt, wird die Förderung fortgesetzt – trotz aller Proteste.

Das Ergebnis der Bundesratsabstimmung wird entscheiden, ob im Feld N05-A weiter Gas gefördert wird. Für die Aktivisten auf Borkum wäre eine Ablehnung ein seltener Sieg gegen den Ausbau fossiler Energien. Für One-Dyas und seine Befürworter würde eine Zustimmung eine neue Energiequelle in unsicheren Versorgungszeiten sichern.