AfD zerrissen: Machtkampf zwischen prorussischem Flügel und NATO-Befürwortern eskaliert
Elias WernerAfD zerrissen: Machtkampf zwischen prorussischem Flügel und NATO-Befürwortern eskaliert
Ein erbitterter innerparteilicher Streit über die Außenpolitik reißt die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) auseinander. Die Auseinandersetzung spaltet die Partei in einen westlich orientierten Flügel und eine prorussische Fraktion – und legt damit tiefe Gräben innerhalb der AfD offen. Aktuell drehen sich die Konflikte vor allem um das Verhältnis zu den USA, der NATO und Russland, wobei einige Funktionäre sogar mit Absetzungsversuchen aus ihren Führungspositionen konfrontiert sind.
Gegründet wurde die AfD 2013 noch mit einer gemäßigt atlantischen Haltung, die unter frühen Vorsitzenden wie Bernd Lucke die transatlantischen Bindungen unterstützte. Doch ab 2015 trieb die Partei die Flüchtlingskrise sowie interne Machtkämpfe in eine euroskeptische und zunehmend antiamerikanische Richtung. Der Flügel um Björn Höcke gewann an Einfluss und forderte den Austritt Deutschlands aus der NATO, das Ende der nuklearen Teilhabe sowie den Abzug US-amerikanischer Truppen – eine Entwicklung, die sich bis 2024 weiter beschleunigte.
Nun gerät Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, unter Druck von Höckes prorussischem Lager. Lucassens klare Unterstützung für die westlichen Bündnisse Deutschlands und seine Einschätzung, Russland stelle die größte Bedrohung für die NATO dar, machen ihn zum Ziel innerparteilicher Angriffe. Gleichzeitig verfasste Hannes Gnauck, ein weiterer Sicherheitsexperte der Partei, während der Iran-Krise eine pressereife Stellungnahme mit proamerikanischer Ausrichtung – doch die Parteiführung verhinderte deren Veröffentlichung.
Die Spaltung vertiefte sich 2026 weiter, als der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland forderte und dabei die Iran-Politik des damaligen US-Präsidenten Trump scharf kritisierte. Der AfD-Abgeordnete Maximilian Krah widersprach öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner". Die Weigerung der Partei, sich von umstrittenen Figuren wie Martin Sellner zu distanzieren – dessen "Remigrations"-Pläne vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurden –, verschärft die politische Isolation der AfD zusätzlich.
Krah warnt, die extremen Positionen der AfD in der Außen- und Innenpolitik hätten die Weigerung anderer Parteien verstärkt, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Der Konflikt spiegelt einen grundsätzlichen Richtungsstreit wider: zwischen denen, die eine engere Anbindung an die USA anstreben, und denen, die einen Bruch mit den westlichen Bündnissen fordern.
Eine Lösung des außenpolitischen Richtungsstreits ist nicht in Sicht. Während Lucassen und Gnauck für eine westliche Ausrichtung kämpfen, treibt Höckes prorussische Agenda die Partei weiter in die Isolation. Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen unterstreicht dabei den Abschied von der einstigen atlantischen Grundhaltung der AfD. Die anhaltenden internen Querelen drohen, die Partei noch weiter vom politischen Mainstream Deutschlands zu entfernen.






